Die Hubert Markl Seite

Hubert Markl war Professor für Biologie an der Universität Konstanz
von 1996 bis 2002 war Prof. Markl Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, München.

Verhaltensforschung war schon früh das Spezialgebiet des heute (2001) 62-jährigen. Daneben befasst er sich mit Umweltschutz sowie Fragen der Evolution und Soziologie.

"Natur als Kulturaufgabe" und "Wissenschaft gegen Zukunftsangst" heißen zwei seiner Bücher - ein Verweis auf Markls wichtigstes Interessengebiet: das Verhältnis von Forschung, Gesellschaft und Natur.
Quelle: Focus Magazin 11/2001

Nachruf
9. Januar 2015: Er war jemand, der den unbequemen Weg geht, der sich einmischt, mit Esprit und Sprachgewalt. Intern formte Hubert Markl als konsequenter Macher die Max-Planck-Gesellschaft, deren Präsident er von 1996 bis 2002 war. Der Hochschullehrer und Wissenschaftsmanager ist am 8. Januar nach längerer Krankheit im Alter von 76 Jahren in Konstanz gestorben. "Wir haben mit ihm einen eloquenten Repräsentanten der deutschen Wissenschaft verloren, der wichtige Anstöße für eine innere Reform der Max-Planck-Gesellschaft gegeben hat", würdigte der heutige Präsident Martin Stratmann seinen Vorgänger.  - Einen ausführlichen Nachruf s. nach den Briefen.


2 Briefe von ihm


meinem Brief lag u.a. Datei (III/2) "Die Genese des Lebens" bei


mit E-Mail vom 1. August 2001 hatte ich Markl die Wiedergabe seiner Ansprache auf meinen Seiten mitgeteilt
die Wiedergabe blieb bis heute unwidersprochen


Der Nachruf auf Hubert Markl von Prof. Dr. Axel Meyer, Konstanz
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.01.2015, Seitentitel Feuilleton

Bürger und Biologe
Er war einer der wichtigsten deutschen Wissenschaftler und forschungspolitisch so engagiert wie gesellschaftlich.
Zum Tod von Hubert Markl
Er begann sein Studium der Biologie, Chemie und Geographie 1957 an der Universität München und promovierte 1962 im Fach Zoologie. Danach arbeitete er dort als wissenschaftlicher Assistent und habilitierte sich 1967 im Fach Zoologie an der Universität Frankfurt. Zwischendurch verwandelte sich Hubert Markl in "Jim" Markl - bei einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten. Wohl weil "Hubert" schwer auszusprechen war, begannen seine amerikanischen Kollegen in Harvard an der Rockefeller-Universität, ihn Jim zu nennen. So wurde er zu Jim Markl für seine Freunde in der Welt.

Die Karriere des Zoologen ging zunächst in Frankfurt und dann Darmstadt weiter, wo er von 1968 bis zu seinem Wechsel nach Konstanz Direktor des Zoologischen Instituts war. Markls Forschungsfragen waren sehr breit gestreut und reichten von der Physiologie, insbesondere von Sinnesorganen bei Ameisen, über Kommunikation von elektrischen Fischen bis hin zu den Sozialsystemen bei Mäusen. Er war einer der führenden Verhaltensforscher und Mitbegründer der Zeitschrift "Behaviorial Ecology and Sociobiology" - bis heute eines der bedeutendsten Journale in dem Gebiet der Verhaltensphysiologie.

Aber er war mehr als nur ein Zoologe. Er war einer der letzten Wissenschaftler, die versuchten, alles zu wissen, und dem näher kamen als die allermeisten. In beiden Kulturen der Wissenschaft war Markl zu Hause. Seine Belesenheit und Bildung in den Geisteswissenschaften beeindruckte insbesondere die Naturwissenschaftler sehr. Seine Eloquenz war legendär. Die Titel einer Auswahl seiner vielen Bücher zeigt den erstaunlichen Horizont: "Biophysik" (1977), "Evolution of Social Behavior" (1980), "Natur und Geschichte" (1983), "Neuroethology and Behavioral Physiology" (1983), "Evolution, Genetik und menschliches Verhalten" (1986), "Wissenschaft: Zur Rede gestellt" (1989), "Wissenschaft gegen Zukunftsangst" (1998), "Wohin führt uns die Wissenschaft" (1998), "Schöner neuer Mensch" (2002). Diese Titel bilden auch seine persönliche Entwicklung vom reinen Wissenschaftler zum Meinungsführer bei Politikern und Entscheidern der deutschen Wissenschaft ab. Er war der vielleicht einflussreichste Wissenschaftsmanager im Nachkriegsdeutschland und einer der wichtigsten Intellektuellen, der regelmäßig auch für diese Zeitung schrieb.

Seit 1974 prägte er die Entwicklung der damals noch jungen Universität Konstanz entscheidend mit. Aber Konstanz war Hubert Markl schon bald zu klein. Sein ungemein wirkungsvolles wissenschaftspolitisches Engagement brachte schnell den Aufstieg von der Regionalliga in die Bundesliga und dann in die internationale Champions League. Mit 36 Jahren, im ersten Jahr als Professor in Konstanz, wurde er in den Senat des wichtigsten Forschungsförderungsinstruments, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, gewählt. 1986 wurde er Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (bis 1991) wie auch Vizepräsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Von 1993 bis 1995 war er Gründungspräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Dazu Mitglied vieler heimischer Akademien und einiger ausländischer. Die Krönung seiner administrativen Laufbahn war die Präsidentschaft der Max-Planck-Gesellschaft von 1996 bis 2002. Kein anderer hat je diese Kombination der wichtigsten forschungsrelevanten Ämter innegehabt. Aber Hubert Markl kann nicht nur als der begnadete Wissenschaftspolitiker gesehen werden. Immer blieb er ein begeisterter Zoologe und ein engagierter Mensch. Erfolgreich wurden auch viele seiner Schüler. Mehr noch: Markl hat sich politisch eingemischt. Er war der Biologe, der als Bürger dem Bundespräsidenten Johannes Rau vor einigen hundert Zuhörern klar seine Meinung zu Abtreibung und Embryonenschutz sagte. Er bewies auch Zivilcourage, als er als Präsident der Max-Planck-Gesellschaft eine Untersuchung zur Rolle der Kaiser-Wilhelm Gesellschaft im Dritten Reich in Auftrag gab. Vorgestern, am 8. Januar, ist Hubert Markl im Alter von 76 Jahren verstorben.

AXEL MEYER
Axel Meyer ist der Nachfolger von Hubert Markl am Lehrstuhl für Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Konstanz.  (Ende des Nachrufs)

Prof. Axel Meyer habe ich vor 2015, als Hubert Markl noch lebte, anläßlich seines Vortrags in der Heilbronner Experimenta kennen gelernt und gesprochen. Ich fragte ihn, ob er eine Definition von Leben kennt. Er wehrte gleich ab und meinte, Leute wie ich könnten das sicher besser. Er sei mehr ein Praktiker. Den Lehrstuhl für Zoologie und Evolutionsbiologie in Konstanz hätte er vor allem als Nachfolger von Hubert Markl angestrebt, den er sehr verehrte. Er berichtete mir, dass Markl, den er öfters besucht, an einer schweren seltenen Krankheit leiden würde, was ich sehr bedauerte. Jetzt habe ich Prof. Meyer angeschrieben, ob er mit meiner Veröffentlichung des Nachrufs einverstanden ist bzw. wen ich ggf. noch fragen müsste. (bisher ohne Antwort)
Heilbronn, den 11.12.2020
Helmut Hille

(Verzeichnis der einer besonderen Person gewidmeten Seiiten)

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