Anhang 2 zu I/B7a: Was heißt "beobachten?"

Buchbesprechung  "Ich bin ein ganz isolierter Mensch..."
Einstein als Autist
Jürgen Neffe/Einstein. Eine Biographie
Rowohlt 2005, 496 Seiten, € 22,90
- inzwischen auch als rororo für € 9,95
Die vom Verlag 2005 auf seiner Internetseite www.rowohlt.de genannte und von Medien übernommene falsche Seitenzahl von 352 (über 40% Differenz!) war lange unkorrigiert (inzwischen - 2008 - richtig gestellt), obgleich ich den Verlag mehrmals darauf hingewiesen hatte. Wenn es in der Öffentlichkeit um Einstein geht, stimmen also nicht nur gleich die Begriffe nicht, sondern auch nicht die Zahlen. Zudem hatte ich das Buch im Internet vorbestellt und im Januar 2005 für € 19,90 erworben, was mir der Verlag auch nicht glauben wollte. Ich müsste es gebraucht gekauft haben, obwohl das Buch gerade erst erschienen war! Beim Thema Einstein sind die Leute immer gleich voll von der Rolle.


"Der größere wichtigere Teil seines Lebens spielte sich unbewußt ab
und zwar im wahrsten Sinne des Wortes unzugänglich für andere wie für ihn selbst."
Absicht dürfe ihm dabei aber nicht unterstellt werden,
war er doch "im strengsten Sinne des Wortes:
unzurechnungsfähig, unverantwortlich für all das, was er tat."
Max Brod
"Keine zeitgenössische Beschreibung zeichnet Einstein schärfer."
Jürgen Neffe, Einstein-Biograph

Das Buch
Schon weil mir aller Personenkult suspekt ist, habe ich mich eigentlich nie um die Person Einstein gekümmert, daher vor 2004 auch nie Biographisches über ihn gelesen, weder von ihm noch von anderen, weil ich nur dem Denken auf die Spur kommen wollte, wie es in seinen Ideen zur Physik aufscheint, besonders in seiner Relativitätstheorie (RT), welche die Menschen bis heute fasziniert. Genauso hatte ich mir Jahre zuvor Newtons Rationalität rein aus seinen Axiomen erschlossen und sie in einer vollständigen Ableitung als "Allgemeine Grundlagen der Mechanik" dargestellt (I/B4), an die ich zu Beginn des Einsteinjahres mit meinem "Text des Monats" (Januar 2005) erinnerte. Daher geht es mir auch hier nicht darum, Einstein zu demontieren, wie man schon gemeint hat, sondern nur darum zu belegen, dass Einstein auch privat und überhaupt jener Autist war, der auf sein Gegenüber, ob Mensch oder Materie, beide sowieso nicht klar unterscheidend, letztlich nicht einzugehen vermochte. Das hatte ich nach jahrzehntelangem Ringen um eine schlüssige Deutung der RT ca. 2 Monate vor dem Erscheinen des Buches von J. Neffe endlich anhand der Analyse erkannt, dass bei ihr eine Verwechslung von Beobachter und Beobachtetes vorliegt (s. den Anfang des Haupttextes "Was heißt beobachten?"), deren Ergebnis ich dann "in logischer Einfachheit" als Autismus gedeutet habe, eine Deutung, die mir anschließend nicht nur im Internet, sondern jetzt auch noch durch Neffes Buch bestätigt wurde bzw. wird. Das Buch zeigt ferner Einsteins mangelnde Selbstwahrnehmung, die Voraussetzung von Empathie ist, die er selbst den eigenen Kindern gegenüber nicht aufbringen konnte. Familiär war Einstein eine Katastrophe (aber auch erblich belastet). So wie ich im Haupttext bescheinigt ihm auch J. Neffe gleich im 1. Kapitel einen "blinden Fleck", allerdings "wenn es um die weibliche Hälfte der Menschheit geht." (S.11) Aber dann ferner gleich die Nennung einer weiteren, diesmal weltweit bekannten Blindheit: "Kaum ist er berühmt, stellt sich der Wegbereiter ("einer neuen Physik") mit seiner ganzen Autorität der Entwicklung (der Quantenphysik zur Quantenmechanik) in den Weg und erscheint der jüngeren Generation wie ein Verbohrter, der den Fortschritt verpasst." Also nicht nur im Privaten fehlte es ihm an Empathie und vertrat er, Argumenten daher unzugänglich, stur und undiplomatisch und zum Entsetzen der ihm Wohlgesinnten seine Positionen, sich so auf diese Weise Feinde für Leben schaffend, privat sich höchstens aus strategischen Gründen zurücknehmend. Einstein musste die Rolle des Beobachters nicht leugnen - er kannte keine!

Mit über 4 Seiten Nachweise über "verwendete Literatur" und aufgrund von Gesprächen mit 25 wichtigen Zeugen hat Neffe vielleicht so etwas wie ein Standardwerk zu Einstein geschaffen, das zudem mehr als 15 Wissenschaftler "ganz oder teilweise gegengelesen und verbessert haben." Neffe selbst hebt mehr das Genialische an Einstein hervor und legt Wert darauf, Einstein als "das ewige Kind" zu zeigen, als das ihn seine Umgebung empfand, weshalb Neffe mit der Einschätzung "Autist" eher behutsam und abwiegelnd umgeht, auch wenn bei Savants bzw. Menschen mit Asperger-Syndrom beides zusammenhängt - ja, sich hier ebenfalls "Genie" und "Wahnsinn", in Form eines autistischen Defekts, gegenseitig bedingen! Auch das "ewige Kind", das noch "an seinem Lebensabend der Welt und der Zukunft die Zunge herausstreckt" ist der Beleg einer vorzeitig zum Stillstand gekommenen mentalen Entwicklung. Ich empfehle jeden am Werk und der Person Einstein Interessierten, Neffes hochinteressantes Buch zu lesen, das angesichts der anhaltenden Einstein-Euphorie nicht ohne Mut geschrieben ist. Ich zitiere hier nur zur Stützung meiner Autismusthese Aussagen von Einstein selbst oder von Menschen, die ihn am besten kannten, welche die Deutung von Einstein als Autisten mit Asperger-Syndrom m.E. unvermeidlich machen. Alle anderen erstaunlichen Seiten Einsteins möge man bitte dem Buch entnehmen, das uns Einsteins Persönlichkeit geradezu als Musterbeispiel für die alte Volksweisheit zeigt: "Wo viel Licht ist, das ist auch viel Schatten." In einer Einsteinbiographie von 1931 warnte Einstein im Vorwort selbst: "daß vielleicht das [in ihr, der Biographie] übersehen wurde, was das Irrationale, das Widersprüchliche, das Komische, auch das Verrückte sei, mit dem die Natur jedes Wesen ausstatte." (entnommen aus "Die geheimen Leben des Albert Einstein" von Roger Highfield und Paul Carter)

Auch wenn die Zitate belegen, wie sehr sein Autismus in viele Lebensbereiche, ja bis in sein Sterben hineinreichte, so ist doch das Bemerkenswerteste Einsteins sehr persönlicher Umgang mit den von Anfang bis Ende außergewöhnlichen Stationen seines Lebens, die zudem mit den großen Themen seiner Zeit korrespondierten, nachdem er durch eine Manipulation Eddingtons ungewollt als erster Medienstar der Wissenschaft in den Blickpunkt des Weltinteresses geraten war. Doch blieb er mehr Künstler, Bohemien und Sonderling, "Einspänner" wie er sich selbst nannte, seit April 1914, wie von ihm angestrebt, ohne jede Lehrverpflichtung - ein "Herr Professor" ohne Studenten, nachdem er auch zuvor schon fast keine hatte. "Er selbst verfügte niemals über eigene Doktoranden oder Assistenten und begründete auch keine eigene 'Schule'."* Ein Wissenschaftsmanager, wie Planck von ihm erwartet hatte, war er ebenfalls nicht, da ihn nur seine selbstgewählten Themen interessierten. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik leitete er als sein erster Direktor in einem schwarz gebauten Dachzimmer über seiner Berliner Wohnung "mehr schlecht als recht",* nämlich fast gar nicht, als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften "nimmt er bis Ende 1918 an 135 Treffen teil und erhebt er nicht einmal die Stimme", zum wissenschaftlichen Ruhm des 'Institute for Advanced Study' in Princeton, dem er von seiner Gründung 1933 bis zu seinem Tode 1955 angehört, "trägt er nicht viel mehr bei als seinen Namen." Zuletzt zeigt uns Neffes Buch Einstein als einsamen und stillen Helden des Geistes, sein Scheitern ahnend und immer noch dagegen anschreibend (S.442 - s.unten), bescheiden und humorvoll bis in die letzten Tage. "Er wartete auf sein Ende wie auf ein bevorstehendes Naturereignis", notierte seine Stieftochter Margot. Ich habe das Buch nicht ohne starke innere Bewegtheit über Einsteins mich menschlich tief berührende tragische Persönlichkeit aus den Händen legen können. Jeder, der sein Leben lang aufrichtig nach Wahrheit und Gerechtigkeit gestrebt hat, nicht vor Autoritäten und Lehrmeinungen kuschte (was sich aber nur nicht im Akademiebetrieb Stehende leisten können), wird etwas von seinem Rebellentum in sich wiederfinden und mit ihm hoffen, dass der unangemessene Genie- und "Relativitätsrummel" um ihn sich wieder legen möge und man sich Einsteins Person und Lehre endlich ohne verblendende Vorurteile nähert. Er war weder das einsame Genie, noch das Monster, als das er von interessierten Seiten hingestellt wird, sondern "ein ganz isolierter Mensch", der auf sich selbst zurückgeworfen war. Um sich aus dieser von ihm durchaus erkannten beklemmenden Situation zu befreien wünschte und versuchte er, "Gottes Gedanken" zu denken, wozu er sich auf seine Intuitionen und Phantasien verließ, die ihm jedoch immer wieder nur zu sehr zum Spiegel seiner eigenen, ihm nicht hinterfragbaren Grundüberzeugungen wurden. Wenn er sich auf "Gottes Standpunkt" berief, war es nicht Frömmigkeit, die ihn leitete, sondern er wollte und konnte für seine jeweilige Meinung keine Verantwortung übernehmen - denn er wusste nicht, wo sie herkam.
*Thomas Bührke in MaxPlanckForschung Heft 4/2004 "Das Institut im Dachzimmer"

Weitere Zitate sowie auch kritische Stellungnahmen zum Buch im Haupttext unter "Einsteins blinder Fleck" und im Text "Das Wort zum Einsteinjahr" auf I/B5. Ferner gab es über das ganze Jahr 2005 hinweg bei mir ein weiteres "Nachdenken im Einsteinjahr", aus dem die Essays "Rätselhafter Einstein" (Text I/B8a) hervorgegangen sind. Im Nach-Einsteinjahr 2006 gab es ab Mai auf der Startseite monatliche Gedanken "Zur Lage der Physik", die anschließend im Essay (11) von "Rätselhafter Einstein" abgelegt wurden.

Determination meint Fremdbestimmung, Kausalität meint Eigenbestimmung gemäß dem eigenen Vermögen. Bedenkt man Einsteins autistisches Grundverständnis, wo nur das Berechenbare von Wert ist und zählt, dann kann einen sein deterministisches Weltbild und Gottesverständnis, das er fälschlich ein "kausales" nannte, und seine tiefe Abneigung gegen jede Art von Zufall nicht überraschen. Er fragte sich, "ob (selbst) Gott bei der Erschaffung der Welt eine Wahl hatte." Dabei ist der Zufall das auslösende kreative Moment der Schöpfung, der in seinem Gesetz erstarrte Gott Einsteins das Symbol realen und geistigen Stillstands von Ewigkeit zu Ewigkeit. Besonders "kreativ" war Einstein daher in seinem Bemühem, in der Physik alle Dynamik auszublenden, weshalb er z.B. Newtons Dynamik zur Kinematik zurückentwickelt oder einen Therm erfand, der der Expansion des Universums entgegen wirken würde. Am Besten nichts Neues - was dann in der Physik wieder neu war, eben eines der großen Missverständnisse zu Einstein. Einstein verstehen ist eigentlich ganz einfach, wenn man den Kern des Autismus versteht. Wenn ich die Hauszeitschrift der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e.V. als Maßstab nehme, fürchten Physiker sowieso schon lange nichts so sehr wie einen wirklich neuen Gedanken, weshalb ihnen die SRT als die Relativierung eines unerwünschten Ergebnisses so willkommen war und ist. Andererseits schätzte Einstein seine persönliche Freiheit über alles, weil er wegen fehlender Empathie unfähig war, sich einem Kollektiv oder einer Institution ein- oder gar unterzuordnen und in deren Sinne zu wirken. Dazu hätte er ja auch erst erwachsen werden müssen.

  • (S.356) "Demut ist Einsteins Religion", sagt sein Schwiegersohn Rudolf Kayser. "Sie besteht aus einer kindlichen Bewunderung für einen höheren Geist." Da ist es wieder, das ewige Kind. Einstein glaubt nicht an einen personifizierten Gott, aber er benutzt mit kindlicher Weisheit das Gottesbild. Nicht das eines Gottes, der straft und belohnt, sondern eines, der die Natur so gesetzmäßig geschaffen hat, das alles im Universum diesen Gesetzen folgen muss. Alles ist vorherbestimmt, festgelegt, berechenbar, das Schicksal eine endlose Verkettung gesetzlich geregelter Vorgänge.
    Einstein, der Determinist, glaubt nicht an den freien Willen. Gott hatte seine Chance, und seitdem vollzieht sich alles nach den unveränderlichen Gesetzen.
  • (S.357) Vor allem der 29. Lehrsatz Spinozas [Ethik, Erster Teil] hat es Einstein angetan: "In der Natur gibt es kein Zufälliges", heißt es da, "sondern alles ist vermöge der Notwendigkeit der göttlichen Natur bestimmt, auf gewisse Weise zu existieren und zu wirken."
    Gott darf nicht einmal Zufall spielen. ... "Gott würfelt nicht."
  • (S.374) "Die Quantenmechanik ist sehr achtung-gebietend", schreibt Einstein Born im Dezember 1926. "Aber eine innere Stimme [!] sagt mir, daß sie doch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten [Gott] bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt."
    Beinahe religiös hängt er dem Glauben des Determinismus an. ... Die Würfel im Kasino der Quantenwelt fallen ohne ihn. Seine große Zeit ist vorbei.
  • (S.442) Seit er sich in seinem letzten Brief an Besso eingestanden hat, dass von seinem "Luftschloss" möglicherweise "nichts bestehen" bleibt, gleichen seine Reflexionen über das Wesen der Welt mehr und mehr den Reflexionen des Weltflüchtigen, der noch im Sterbebett die letzten Formeln niederschreibt.
    Er ... findet sich am Ende zwischen den Stühlen wieder. "Die Physiker sagen, dass ich ein Mathematiker bin, und die Mathematiker sagen, dass ich ein Physiker bin", zitiert ihn seine Freundin. "Ich bin ein ganz isolierter Mensch, obwohl mich jeder kennt."

Die Konsequenz
Ich denke es wäre nur konsequent und wir werden Einstein am besten gerecht, wenn wir seinen gut belegten alltäglichen Autismus auch für seine naturwissenschaftlichen Grundüberzeugungen, die ihn die Quantenmechanik nicht akzeptieren ließen, und jene Teile seines Werks gelten lassen, die dem gesunden Menschenverstand "unvorstellbar und rätselhaft" sind (Bührke) und die brave Bildungsbürger sich deshalb bisher mit seinem "Genie" zu erklären versuchen. Auch Einsteins eingeschränkte Motorik ist ein Hinweis auf seinen Autismus: er konnte weder Rad-, noch Autofahren oder Schwimmen (obwohl er mit seinem Segelbott auf dem Wasser unterwegs war), was zwar allein noch kein Kriterium wäre, was jedoch auch hierbei seine Unfähigkeit zeigt, sich der Andersartigkeit des Gegenübers zu stellen und ihm gerecht zu werden. Wie ich im Haupttext mit "Einsteins blinder Fleck" zeige, verschwindet durch die neurologische Sicht das Rätselhafte an Einstein ganz zwanglos und niemand ist mehr gehalten, Unverständliches zu glauben, zu verbreiten und mit unredlichen Argumenten zu verteidigen, weil es keine redlichen gibt. Das müsste für jeden Lehrenden doch eine große Erleichterung sein, ganz abgesehen vom geistigen Fortschritt, der mit dem Ablegen übernommener autistischer Defizite verbunden ist. Und hat Einstein nicht selbst gesagt: "Autoritätsduselei ist der größte Feind der Wahrheit"? Ich selbst habe schon vor Jahrzehnten bemerkt, dass mein Denken umso mehr an Klarheit und Effizienz gewann, je mehr ich mich von Einsteins relativistischen und deterministischen Gedankengut entfernte, was mich ermutigte, auf dem kritischen Weg weiterzugehen. Es war ein "langer Marsch" durch die Irrungen des menschlichen Geistes, bis ich zu der Einsicht kam, dass Einstein nicht etwa ein verbohrter Ideologe war, wie sein unsinniger Kampf gegen die Beobachterrolle nahelegt, sondern "ein Gefangener im goldenen Käfig seiner [autistischen] Überzeugungen" (Neffe "Einstein" S.388). Seitdem ich weiß, welche Defizite den Aspergerautismus ausmachen, verstehe ich den Hintersinn der Worte Einsteins als wären es meine eigenen und wahrscheinlich besser als Einstein selbst, der ja seinem autistischen Schicksal ausgeliefert war. Heute, am 06.02.05,* fand google.de im Internet ca. 11.300 Adressen zu "Einstein + Autismus" und sogar 31.200 Adressen zu "Einstein + Savant", also gegenüber dem 15.12.04 insgesamt fast 14.000 Fundstellen mehr - das sind beinahe 50% in gut 7 Wochen! - was mir zeigt, dass ich da auf dem richtigen Wege war und bin und dass es für jeden an der Physik Interessierten töricht wäre, vor Einsteins Autismus die Augen zu verschließen und alles weiterhin schönreden und -rechnen zu wollen, was letztlich nicht zu rechtfertigen ist. Die ehrlicher werdenden Auskünfte über Einsteins ambivalente Persönlichkeit nach Jahrzehnten der Lobhudelei sind da ein guter Anfang. Doch obwohl sie sehen, dass Einstein anders denkt als der Durchschnittsbürger, machen die meisten Leser den Fehler, das Aufzeigen für sie überraschender autistischer Eigenschaften Einsteins als den Versuch der Abwertung seiner Persönlichkeit zu sehen, weil sie Autismus fälschlich für eine Krankheit halten und nicht für die Bezeichnung einer neuronalen Anomali. Mit "Autist" werden lediglich besondere Strukturen einer Persönlichkeit beschrieben, die sowohl Defizite als auch Sonderbegabungen aufweist, die sie uns und ihr Werk verständlicher machen. Und darum muss es einer Biographie doch gehen, wenn sie von wissenschaftlichen Wert sein soll. Mir selber geht es hier darum, den von mir festgestellten Autismus der speziellen Relativitätstheorie - die Verlagerung von Beobachterqualitäten in ein quasimaterielles Zwischenreich, die Raumzeit - in Einklang mit Einsteins autistischer Denkweise zu verstehen, wodurch das Rätselhafte der Theorie verschwindet, während ich auch weiß, dass es viele Menschen gibt, die sich gerade von ungereimten Ideen magisch angezogen fühlen - ein Satz, den ich m.E. bei W.V. Quine gelesen habe.
Heilbronn, im Februar 2005
letzte Ergänzung (Daten zum Buch u. Schluss-Satz von "Das Buch") am 06.07.08, zum Determinismus am 24.07.08, zur Anomalie am 12.01.09

*Am 20. bzw. 21.01.2009 ermittelte Google zu Einstein + Savant 1.560.000 Fundstellen im Netz, zu Einstein + autism 909.000 und zu Einstein + Autismus 19.100 Fundstellen (zusammen fast 2,5 Millionen allein englisch- und deutschsprachige Fundstellen!), wobei diese Seite bei Autismus die zuerst genannte war (bei Savant die elfte, bei autism die 91.). Die stark zunehmende Differenz zwischen den englischen Fundstellen und den deutschen zeigt, dass die Diskussion über Einsteins Autismus im Ausland schon viel verbreiteter ist als bei uns, wo man Autismus bei Einstein eher für eine übelwollende Nachrede hält. Dabei hatte man aber schon immer gesehen, dass er anders tickte, denn sonst hätte man ihn ja nicht für genial gehalten. Seine unkonventionelle Schrulligkeit hat man als Ausdruck seiner geistigen Überlegenheit gedeutet, dabei war sie nur Ausdruck seiner Unfähigkeit, den Sinn von Konventionen zu verstehen, so wie er unfähig war, sich Institutionen einzuordnen und in deren Sinne zu wirken - ein "Einspänner" eben, wie er selber wusste.

Sonstige Buchbesprechungen der Neffebiographie
Natürlich finden sich gerade auch in Wissenschaftsjournalen Besprechungen des Neffe-Buchs "Einstein", so auch im Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft "MaxPlanckForschung" Heft 1/2005 auf S.73. Gegen Ende heißt es dort von Helmut Hornung zu Neffes Buch: "Seine Biografie, die sich über weite Strecken wie ein spannender Roman liest, prägt sich nachhaltig ein. Zudem verfällt der Autor nicht seiner Figur, sondern porträtiert aus angemessener Distanz, aber doch angenehmer Nähe den eigenwilligen Menschen mit Hang zum Autismus ebenso wie den genialen Forscher, den Weltbürger, Pazifisten und Frauenliebhaber." In einer anderen positiven Buchbesprechung, im "Physik Journal" der DPG, liest man vom Autismus und Frauenliebhaber Einstein natürlich nichts, da Physiker mit diesen allzumenschlichen Eigenschaften überfordert wären. Für sie zählt nur das Berechenbare.

Weitere Besprechungen von Neffes Buch finden Sie im Internet u.a. auf BR-online und NDR-Info. Auch in Ihnen wurde Einsteins Autismus angesprochen. So heißt es im "Lesezeichen" des BR von Natascha Geier: "Einstein ein Autist? Dazu würde passen, dass er - in der Öffentlichkeit ein humorvoller Clown - privat ein eiskalter Klotz ohne Mitgefühl gewesen sein soll. Seine erste Frau Mileva betrügt er jahrelang mit Cousine Elsa und unter anderem mit einer mondänen KGB-Spionin. Darunter litten vor allem die Söhne. Einstein forderte Leistung, ohne ihnen Liebe zu zeigen." Und im NDR wurde Neffe zum berühmten Foto zitiert: "Wer streckt uns die Zunge raus? Das sind Kinder. Und Einstein ist auch immer ein Kind geblieben. Was er auch selbst nie bestritten hat, er hat sogar gesagt, dass seine großen wissenschaftlichen Leistungen womöglich damit zu tun haben, dass er mit kindlichen Augen auf die Welt geschaut hat." So braucht uns seine Naivität in vielen Dingen nicht zu wundern.

Doch die Menschheit in ihrer heutigen Mächtigkeit muss sich bemühen, endlich erwachsen zu werden, bevor es zu spät ist.

s. auch II/15 Autismus als Forschungsgebiet. Formen des Autismus

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