"Und er wird sehen, daß derjenige, in dessen Geiste sich die Welt spiegelt,
in einem Sinne so groß wird wie die Welt selbst.
Frei von den Ängsten, die den Sklaven der Verhältnisse befallen,
wird er echte Freude kennen
und durch alle Wechselfälle seines äußeren Lebens hindurch
in den Tiefen seines Wesens von Glück erfüllt bleiben."
Bertrand Russel: Eroberung des Glücks
Von wegen: Die Natur macht keine Sprünge! Ob Quantensprung oder sog. Urknall, ob Kernfusion oder Supernova: jedes Mal entsteht etwas Neues. Und wenn Atome und chemische Elemente verschmelzen oder ein neues Lebewesen infolge geschlechtlicher Fortpflanzung entsteht, dann tritt etwas Neues in Erscheinung, das man den am Entstehungsprozess Beteiligten zuvor nicht angesehen hat, ebenso wie man Beethoven seine Sinfonien oder Picasso seine Bilder zuvor nicht angesehen hat. Letztlich muss man sagen, dass aus wenigen qualitativ unterschiedlichen Formen von Energien aus ihnen heraus unendlich viele neue Formen und Qualitäten des Daseins entstanden sind und weiter entstehen, die uns immer wieder ins Erstaunen setzen und uns nach der Ursache ihrer Entstehung fragen lassen. Als Ergebnis meines lebenslangen Bemühens um Klarheit veröffentlichte ich hier ab Januar 2008 jeden zweiten Monat ein so kurz und übersichtlich wie möglich geschriebens Kapitel meines Weltbildes. Die Kapitel lauten:
1. Meine Kosmologie
2. Der geheime Schöpfer
3. Alles Leben ist Problemlösen (Popper)
4. Das Geistige als eine neue Schöpfung
5. Was ist Wahrheit?
6. Der Schlüssel zum Frieden
1. Meine Kosmologie
Das Universum ist ohne Grenzen in Raum und Zeit.
In ihm gibt es unzählige Kosmen, so wie es in einem Kosmos unzählige Galaxien gibt.
Kosmen gehen aus einer Megaexplosion zusammenströmender Materie hervor (sog. Urknall).
Auslöser der Megaexplosion ist nach heutiger Kenntnis Antimaterie, die sich bei ausreichender Verdichtung bildet.
(Hierzu muss die Materie m.E. weder totale Homogenität erreicht haben - enthielte also schon die Keime der neuen Galaxien -, noch auf einen extrem kleinen Radius verdichtet gewesen sein, was die inflationäre Phase erübrigt.)
In der Megaexplosion wird alle betroffene Materie zu einer neuen Einheit verschränkt.
Verschränkungen eingehen zu können, ist eine allgemeine Eigenschaft der Materie.
Verschränkte Einheiten reagieren als ein Ganzes unabhängig von Raum und Zeit (Nichtlokalität). Sie sind sich nicht "fern".
Die Anfangsverschränkung gibt sich als Schwerkraft zu erkennen, die alle Teile der neuen Einheit zueinander hinstreben lässt.
Parmenides (ca. 540 - 480 vor der Zeitrechnung): "Das Sein ist ... je zusammen alles, als EINES zusammenhaltend."
Die Mechanik ist deshalb durch folgendes Theorem zu ergänzen:
"Jede existierende Materie hat zwei komplementäre Aspekte: ihren eigenen und den des Ganzen.
Ihr eigener Aspekt wird als Trägheit erfahren, der holistische Aspekt zeigt sich als ihr auf sie gerichteter Anteil am Schwerefeld."
Einheit der Welt: Alles übt Schwerewirkungen aus und alles unterliegt ihr.
Einheit der Physik: Das Theorem kennt kein "Problem der Quantengravitation", da Quanten und Gravitation zusammengehören:
Das Schwerefeld ist eine zu jeder Form von Materie und Strahlung gehörende unverlierbare permanente Eigenschaft (Konstanz des Gravitationsfaktors) unabhängig davon, ob Strahlung nach heutigem Verständnis "Masse" hat oder nicht.
Es gibt also mehr Schwerkraftquellen, als man bisher in Ansatz gebracht hat.
Sie kommen vor allem außerhalb großer Materieballungen wie im Halo von Galaxien zum Tragen (sog. "dunkle Materie").
Das Schwerefeld verteilt sich gleichmäßig im Raum, d.h. seine Schwerewirkung schwindet mit dem Quadrat der Entfernung (= gleiche Menge der Energie in jedem Abstand).
Mit der zunehmenden Ausdehnung eines Kosmos erhöht sich dadurch die Fluchtgeschwindigkeit seiner Galaxien. Hierzu bedarf es prinzipiell keiner zusätzlichen Annahme.
Verstärkend kann aber wirken: Wegen der Quantelung der Energie kann sich Schwerkraft nicht beliebig verdünnen, ihre Reichweite ist also begrenzt.
Zusätzlich kann es sein, dass unser Kosmos Teil einer Übereinheit ist, die zusätzlich von außen auf ihn einwirkt (s. unten).
Die Schwerkraft ist vom ersten Moment an am Ort ihrer Wirkens.
Sie ist daher weder Fernwirkung, noch muss sie den umgebenden Raum zuvor "krümmen", was ja dann gerade erst eine Fernwirkung wäre.
(Abgesehen davon, dass es keine physikalische Sache "Raum" gibt, der man auch nur ein Härchen krümmen könnte.)
Die Dichte des Schwerefeldes eines Objekts ergibt sich durch die Menge und den Abstand seiner geballten Materie und ggf. der sie umgebenden Strahlung einschließlich des Lichtes.
Da das Schwerefeld auf jedes Teilchen und dabei in gleicher Weise wirkt, kommt es beim Fallen einzig auf dessen Dichte an, nicht jedoch auf die Menge, Form oder Natur des Fallenden.
Als übergeordnete emergente Eigenschaft bleibt zudem das Schwerefeld von wechselnden Konfigurationen der Teilchen unberührt.
Schon nach Newton sind Körper nicht die Ursache ihrer Schwerkraft, sondern nur deren Mittelpunkt (Principia, Definition VIII), weshalb es falsch war und ist, Newton die Annahme von Fernwirkungen zu unterstellen.
Auch wenn er vereinfachend ihr Zentrum als Rechenansatz nutzte, so war ihm klar, dass die Schwerewirkung mit den einzelnen Teilchen verbunden ist.
Für sonnennahe Ereignisse ist wegen der Ausdehnung und der verschiedenen Dichte der Sonnenmaterie seine Schwerkraftgleichung daher zu wenig genau.
Wie die Periheldrehung sonnennaher Planetenbahnen zeigt, dreht sich wahrscheinlich das Schwerefeld mit der zugehörigen Materie mit.
Der Schwerkraft wirkt die ebenfalls durch die Megaexplosion entstandene kosmische Fliehkraft entgegen, die sich im Großen - infolge der Verdünnung des Schwerefeldes im intergalaktischen Raum - immer mehr durchsetzt.
Mit ihr kommt die 2. unverlierbare Eigenschaft aller Materie und Strahlung zum Tragen: die ihnen immanente Trägheit.
Als Einstein seine berühmte Gleichung E = mc² geschrieben hatte, war er stolz, die Trägheit der Energie entdeckt zu haben.
Die Resultierende beider Kräfte ist ein gegliederter Kosmos, wovon der von uns beobachtbare ein Beispiel gibt.
Seine Gliederung allein schon ist der zwingende Beweis, dass es die Megaexplosion gegeben haben muss, die freilich nur ein Durchgangsstadium von Materie war.
Die Galaxienflucht zeigt, dass die Fliehkraft überwiegt, so dass sich seine Teile im Unbegrenzten verlieren werden, während in engen Sternverbänden, wie Galaxien und Kugelsternhaufen, die Schwerkraft weiterhin noch lange für Zusammenhalt sorgt.
Im Unbegrenzten treffen Teile vielleicht einmal mit anderer Materie zusammen, mit der sie dann eine neue Verschränkung eingehen und so eine neue Untereinheit des Universums bilden.
Oder sie treffen auf Welten aus Antimaterie, wodurch es ebenfalls zu neuen Megaexplosionen kommt. (Günther Faust)
Zusätzlich kann es sein, dass unser Kosmos Teil einer Übereinheit ist, der er schwerkraftmäßig oder in anderer Weise unterliegt.
Vielleicht ist es diese Übereinheit, die wir in Form der "dunklen Energie" erfahren.
Die Anfangsbedingungen eines Kosmos sind maßgeblich für die in ihm durch Emergenz entstehenden Ordnungen vom Atom, über Galaxien bis zum Leben.
Dabei lässt das universelle Gesetz der großen Zahl - neben wahrscheinlich unzähligen anderen Kosmen - auch solche entstehen, in denen intelligentes Leben nach Ursachen fragt.
Jeder Kosmos hat ganz einfach immer jene Ordnungen, die er zulässt, ohne dass da jemand zuerst eine "Feinabstimmung" der Fundamentalkräfte vornehmen muss.
Die Suche nach dem großen "Feinabstimmer" entspricht nur einer menschlichen und daher verständlichen Denkgewohnheit, denn Menschen müssen gezielt handeln, um in überschaubarer Zeit zu einem Erfolg zu kommen.
Doch in einem Universum ohne Grenzen in Raum und Zeit spielt für Unbelebtes weder die Zeit noch die Zahl eine Rolle. Auch hat Unbelebtes keine Ziele, sondern entwickelt sich nach seinen Möglichkeiten. (die drei großen Z)
Dies alles sind Denkanstöße.
Fazit: Die Kosmen kommen und gehen, doch die Energie, das Universum bleibt!Nachtrag vom Juni 2009: Dies ist wahrscheinlich die einzige Kosmologie, die noch dazu ohne willkürliche Annahmen nicht nur wie bisher allein die kosmische Fliehkraft durch den Big Bang sondern auch noch diesen sowie die Entstehung der Schwerkraft erklärt, also so umfassend wie möglich ist.
Meine Prämissen
Als Erstes gilt es "Universum" als das unbegrenzte All-Eine und "Kosmos" als eine durch ein gemeinsames Ereignis gegliederte begrenzte Ordnung im All-Einen zu unterscheiden. Das ist der Schlüssel meiner Kosmologie. Die gängige ständige Vertauschung beider Begriffe muss ein Ende haben. Auch ist die heute zunehmende, schon etwas fortschrittlichere Rede von Universen logisch und grammatisch unzulässig. Es kann nur EIN All-Eines geben! Anderenfalls wäre es kein Universum. Nur die korrekte Verwendung der Begriffe verhilft zur Klarheit des Denkens!
Als Zweites gilt es den Satz von der Erhaltung der Energie ohne Wenn und Aber zu beachten. Mit ihr erübrigt sich die heute so beliebte irrationale These von der Entstehung der Welt (bzw. des Kosmos) aus dem "Nichts", deren Entstehung auch durch die Zuhilfenahme Gottes oder eines Quantenschaums nicht verständlicher wird. Physik und Kosmologie sind m.E. nur solange strenge Wissenschaften, wie ihnen der Satz vom Erhalt der Energie zugrunde liegt. Ohne ihn wird alles Argumentieren beliebig.
2. Der geheime Schöpfer
Der Mensch trifft auf eine unendliche Vielfalt von Dingen und Lebewesen.
Wegen seines prinzipiellen Nichtwissens schließt der Mensch von sich auf andere und nimmt als erfindendes und schaffendes Wesen an, das alles von einem dem Menschen ähnlichen, wenn ihm auch weit überlegenen Schöpfer erfunden und geschaffen sein muss.
Doch ist ein aus dem Nichts auftauchender Schöpfergott, der das alles kann, nicht noch viel wunderbarer als alle an Materie gebundenen Geschöpfe mit ihren begrenzten Fähigkeiten?
Will man hier nicht ein Rätsel durch ein noch viel größeres "lösen"?
Bleibt zum Schluss wirklich nur der Glaube?Kritisch Denkende begannen nach immanenten Ursachen zu fragen und zu forschen.
Der Gestaltwandel von Pflanzen und Tieren gab ihnen hierzu Hinweise.
Auch die Geologen erkannten in der Gestalt der Erdoberfläche das langjährige Wirken irdischer Kräfte.
So wurde es immer weniger nötig, einen geheimen außerweltlichen Schöpfer zu bemühen.
Es blieben jedoch Fragen, wie die nach dem Ursprung der Welt, dem Ursprung des Lebens, nach der Entstehung der Arten, der Seele und des Geistes.Wenn man jedoch zwanglos annimmt, dass das Universum keine Grenzen in Raum und Zeit hat, dann entfällt die Frage nach seinem Ursprung und es bleibt kein Platz für einen geheimen Schöpfer außerhalb der Welt.
Der Schöpfer muss also innerhalb der Welt sein, in den Dingen selbst.
Daher können wir auch sein Wirken beobachten.
Es ist nur unser eigennütziger Umgang mit den Dingen, der uns auf sie herabsehen lässt.
Wenn aus der Verbindung von Eisen und Nässe durch Katalyse Rost entsteht, dann ist etwas Neues entstanden, das vorher nicht da war und das man auch den beiden Reaktionspartnern nicht angesehen hat.
Antike Denker nannten den Vorgang "Mischung", jedoch Mischung durch innige dauerhafte Verbindung, so wie ein Kind die eigenständige, nicht aufhebbare Mischung seiner elterlichen Gene ist.Physikalisch entspricht dieser dauerhaften Verbindung die "Verschränkung".
So sind alle Atome und chemischen Elemente das Ergebnis solcher Verschränkungen zu einer neuen Einheit durch einmalige Aufnahme oder Abgabe von Energie, ggf. unter hohen Temperaturen und/oder Drücken bzw. durch Katalyse.
Voraussetzung ihrer Verschränkung ist die Fähigkeit der Materie, sich zu verbinden (Affinität).
Durch die Verbindung unterschiedlicher Qualitäten entstehen in ihrer Wirkung nach außen hin neue Qualitäten.
Dieses "Auftauchen" neuer Qualitäten nennt man in der englischen Metaphysik "Emergenz".
Emergent sind alle Phänomene, die infolge der Selbstorganisation der Materie nicht auf subatomare Gesetze zurückgeführt werden können, wie dies Reduktionisten in ihrem Materialismus versuchen, sondern sich diese unterordnen.
Emergenz ist das Zeichen des geheimen Schöpfers.
Sie beruht auf dem Vorhandensein unterschiedlicher Qualitäten und ihrer Neigung, sich zu neuen Qualitäten zu verbinden oder bei Zerfall oder Zerstörung neue Qualitäten, d.h. neue Ordnungsmuster zu bilden.
Welche Qualitäten aufeinandertreffen ist Zufall. Da ist niemand der ihr Treffen lenkt.
Doch wenn sie aufeinandertreffen, reagieren sie notwendig gemäß ihrer Struktur, was nach außen hin als das Wirken von Kraft aufscheint.Emergenz ist die lange gesuchte Weltformel (ohne Formel).
Emergenz ist das Auftauchen vorher nicht vorhandener Eigenschaften,
doch nimmt Emergenz weder den Dingen etwas, noch gibt sie ihnen etwas von außen dazu.
Emergenz lässt die Zukunft offen.
Gerade das freie Spiel der Kräfte sorgt für immer neue Qualitäten, die nicht vorauszusehen sind
und welche die Basis weiterer Qualitäten bilden.
Emergenz schränkt die offenen Möglichkeiten nicht ein, sondern vervielfacht sie, ganz im Gegensatz zu einer reduktionistischen Weltformel, für die alles von Anfang an festgelegt wäre.
(Einige Physiker beginnen das zu begreifen - s. Zitat am Ende dieses Kapitels und von Kapitel 1)
Wie man dem Wasserstoffatom, dem einfachsten aller Atome, sein Potential nicht ansieht, die lange Reihe der Atome zu bilden,
so auch nicht den Stammzellen des Lebens,
weil beider Omnipotenz emergenter Natur ist.
Ich denke, die Geschichte des Universums wie des Lebens ist die Geschichte dieses unausschöpflichen emergenten Potentials, das die Erscheinungen regiert.Auch wenn wir die Entstehung neuer Qualitäten wie von Helium in der Sonne oder die Entstehung des Lebens und seiner Artenvielfalt nicht bis in die letzte Einzelheit kennen und wegen ihres emergenten Charakters vielleicht auch niemals ganz wissen werden, denn es ist ja spontan etwas Neues entstanden, das nicht abgeleitet werden kann, so können wir jedoch die Fortentwicklung der Dinge nicht nur gut beobachten, sondern auch beherrschen, wie Physik und Chemie dies tun und wie es inzwischen auch der Reproduktionsmedizin im Biologischen gelingt.
Hier lenkt der Mensch, sein Wissen nutzend, oder er probiert - wie die Natur - einfach mal etwas aus (Versuch und Irrtum).
Doch von einem lenkenden "intelligenten Designer" als überirdischer Person wissen wir überhaupt nichts, weshalb mit ihr auch nichts erklärt werden kann.
Richtig und notwendig ist jedoch, dass diese schöpferische Fähigkeit seit Ewigkeit in den Dingen angelegt sein muss.
Insofern ist der Schöpfergott oder der intelligente Designer die mythische Personifizierung dieser ewigen Potenz der Selbsthervorbringung und nicht ein außerhalb der Schöpfung stehendes noch dazu menschenähnliches Wesen.
Diese außerhalb der Schöpfung stehende Person ist nur der Spiegel des eigenen isolierten Egos, das sich nicht als Teil des Ganzen begreift.
Trotzdem steckt in der Idee eines ewigen Gottes und Schöpfers mehr Wahrheit, als in der Idee eines Urknalls, als der Entstehung der Welt aus dem Nichts.
Oder aus einem "Quantenschaum".
Der ist für mich nur Schaumschlägerei.Es ist falsch, zwischen der Idee der Evolution und den Aussagen der Bibel einen absoluten Gegensatz zu sehen. Im Gegenteil!
Wie vieles in ihr, äußerten sich ihre Autoren in Gleichnissen, auf das Verständnis und das Wissen ihrer damaligen Hörer abgestellt.
"Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde." - Kosmologen wie Normalbürger glauben doch noch immer, dass das Universum einen nicht erklärlichen Anfang hatte.
Antike Denker waren da viel aufgeklärter. Sie dachten rational. Ihnen war klar, dass von nichts nichts kommen kann.
Die 6 Tage, an denen nach Aussage der Bibel Gott die Welt schuf, sind die gar nicht so falsch gesehenen kosmologischen und geologischen Epochen.
"Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern."
Wie Wasser ganz richtig als Voraussetzung allen Lebens gesehen wurde, so wurde auch richtig verstanden, dass eine schöpferische Potenz hinzukommen muss, damit Leben entstehen kann, sei es in der "Ursuppe" und/oder in den Tiefen des Wassers, den Hydrothermalquellen.
Denn Leben als emergente Eigenschaft der Materie bedient sich ihrer, kann also mit ihr allein nicht erklärt werden.
Und steht nicht auch im ersten Buch Mose:
"Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen, Kraut das Samen hervorbringen, Fruchtbäume, die Frucht tragen nach ihrer Art."
Und es steht auch: "Die Erde bringe hervor lebendige Wesen nach ihrer Art: Vieh und Gewürme und Getier der Erde nach seiner Art."
Freilich war das Zutrauen zur Erde nicht sehr groß, weshalb es anschließend heißt, dass Gott das Getier und Vieh dann doch lieber gleich selber machte.
Aber was heißt das schon, dass Gott etwas "machte"???
Und wie "machte" er es denn?
Wenn es im ersten Buch Mose heißt, dass Gott Adam aus dem Staub des Erdbodens bildete, dann ist das m.E. nur die Kurzfassung der gesamten biologischen Evolution.
Und musste nicht auch Gott auf Adams DNA in Form einer Rippe zurückgreifen, um aus ihr ein verwandtes Wesen machen zu können?
Arbeitet die Evolution des Lebens nicht ganz ähnlich, vorhandene Ressourcen ökonomisch immer wieder nutzend?
Machen heißt doch nur, dass eine ewige Potenz existiert, die damals wie heute alles bewirkt.
Und sie ist in den Dingen!
Und wenn der "intelligente Designer" wirklich intelligent war, dann hat er sich entlastet und andere für sich arbeiten lassen, wie das große Chefs immer noch tun.
Besser aber noch: die Evolution ist selbst jene große Intelligenz, für welche, im Gegensatz zum Menschen, weder die Zeit noch die Zahl der Objekte eine Rolle spielt, da ihr Vorrat an beiden unendlich ist,
die einfach durch Emergenz immer neue Möglichkeiten eröffnet, ohne das da von außen etwas mühsam gesteuert werden muss.
Der Zufall ist so kein Zufall, sondern er liegt im Gesetz der großen Zahl begründet, das alles irgendwann und irgendwo ermöglicht, ohne dass da jemand lenkend eingreifen muss.
Und wenn die Bibel für Adams Seele und Geist den Odem Gottes bemüht, dann trägt sie dem Rechnung, dass beide als emergente Eigenschaft rein materiell nicht erklärt werden können.
Gerade eine Emergenzen bedenkende Wissenschaft lässt uns die genannten Aussagen des ersten Buch Mose als erstaunlich sinnvoll verstehen.
Umgekehrt sind sie daher auch nicht als Argumente gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft über die Entwicklung des Lebens geeignet - soweit diese undogmatisch sind.
Dass Anfänge nicht völlig aufgeklärt werden können, ist kein Gegenargument, sondern ist im Wesen von Emergenz begründet, deren Ergebnis aus den beteiligten Wirkpartner nicht abgeleitet werden kann.
Alle Anfänge liegen notwendig im schöpferischen Dunkel.
Das kreative Moment des emergenten Prozesses ist die eigentliche, nicht aufhebbare Unschärfe aller Forschung, was auch von Forschern noch nicht immer verstanden wird.Leben als eine neue Qualität des Daseins ist die Selbstorganisationsform einer Materie, die durch ständige Aufnahme und Abgabe von Energie und durch Reproduktion sich von selbst durchhält, indem sie fremde Strukturen auf deren Kosten zu ihrer eigenen macht.
Leben ist kein Prozess der Anpassung, sondern der Überwältigung!
Als aneignende und sich vermehrende Struktur ist Leben von Natur aus "böse". Da gibt es nichts zu beschönigen.
Aber alles ist EIN LEBEN. Alles lebt von- und füreinander.
Mit Genvielfalt und Immunstrategien versucht es, sich gegen die eigenen Aggressionen zu schützen.
Die Vielfalt des Lebens entstand, als es ihm gelang, unterschiedliche Gene zu mischen (geschlechtliche Fortpflanzung), was zum Auftauchen neuer Charaktere führte und auf Dauer durch Genvarianten und ggf. Isolierung in Biotopen auch zu Unterarten und neuen Arten.
Symbiotische Beziehungen sind ferner ein Hinweis darauf, dass neue Lebensformen auch durch Kombinationen von Einzelorganismen entstehen können.
Auch hier ist die Existenz unterschiedlicher Qualitäten Voraussetzung von Vielfalt.
Parmenides, aus einem Geschlecht von Medizinern, beschrieb in der Antike diesen Trieb zur Mischung so: "bei allem und jeden - das Mehr an Mischung nur ist ihnen Gedanke."
Auf diese Weise ist der geheime Schöpfer potentiell in allen Dingen.
Und wenn die Voraussetzungen gegeben sind, tritt er in Erscheinung.Alle sollten so intelligent sein, zwischen dem Glauben und der Wissenschaft keine unüberbrückbaren Grenzen zu sehen, sondern sollten versuchen, die eine Sprache in die andere zu übersetzen.
"Der Buchstabe tötet. Doch der Geist macht lebendig." Haben wir also Geist.
Beider Lehren sind Ausdruck des jeweiligen Wissens und der jeweiligen Reife und Artikulierungsfähigkeit von Menschen.
Auch die Wissenschaft ist nicht das Ende des Wissens, ist sie doch zumeist nur ein Wissen für uns und damit vorläufig.
Zudem wird sie noch an vielen Stellen vom doktrinären Geist eines platten Materialismus durchweht, der alles rein physikalisch "erklären" möchte.
(Dieser ist die verständliche Reaktion auf ein jahrhundertelanges undifferenziertes Gefasel von einem gütigen Schöpfergott.)
Theologen und Naturwissenschaftler müssen sich also mehr Mühe geben.
Doch schon Papst Johannes Paul II. hat in seiner Klugheit im Oktober 1996 die Evolution "mehr als eine Hypothese" genannt.
Und der Wissenschaft muss das Verstehen der Dinge unter Berücksichtigung der Beobachterrolle folgen.
Dieses selbstkritische Verstehen nennt man Weisheit. Sie wird hier angemahnt.
letzte Ergänzung 29.10.09Parmenides aus Elea (ca. 540-480): "Mit dem Verstand erschaue das (scheinbar) Abwesende als ein beständig Anwesendes..."
Heraklit (ca. 544-483): "Wenn das Unerwartete nicht erwartet wird, wird man es nicht entdecken,..."
Robert B. Laughlin, geb.1950, Physiker und Nobelpreisträger (in "Abschied von der Weltformel", S.317): "Während wir ins Zeitalter der Emergenz übergehen, lernen wir, den gesunden Menschenverstand zu akzeptieren; wir lassen die Gewohnheit hinter uns, die organisatorischen Wunder der Natur zu trivialisieren, und wir akzeptieren, dass Ordnung an und für sich bedeutsam ist - in manchen Fällen sogar der bedeutsamste Sachverhalt."
Christian Kummer, geb. 1945, Biologe, Jesuit und o.Prof. an der Münchner Hochschule für Philosophie
"Evolution ist keine Gefahr, sondern ein Segen für die Theologie."
Fundstelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.Okt. 2009, Seite 18 WISSEN
Kummer wird doch hoffentlich nicht nur gemeint haben, dass Gott nun dank der Evolution von allen Übeln dieser Welt freigesprochen ist. Evolution als eine moderne Theodizee? Aber auch wenn: nun braucht man nicht mehr zu leugnen, was unübersehbar an Krankheit, Elend und Tod da ist und das eines vom anderen lebt, was mit einem angeblich allgütigen und allliebenden Schöpfergott unvereinbar ist.Schlüsselwörter:
immanente Ursachen, Gestaltwandel, Mischung, Emergenz, Selbstorganisation, Omnipotenz, Evolution, Qualitäten des Daseins, Leben, Aneignung/Überwältigung.Details zur "Genese des Lebens" in III/2, zur Emergenz s. Text [6] "Emergenz contra Reduktionismus" auf ZEIT UND SEIN
3. Alles Leben ist Problemlösen (Popper)
- aber auch die Quelle seiner Probleme.
Kaum gab es Leben, hatte es ein Problem: es wusste nichts von seiner Mitwelt auf die es angewiesen war.
Durch speziell sensibilisierte Zellen seiner Köperoberfläche unterschied es aber immer mehr auf es einwirkende Kräfte.
Es unterschied, bewertete und nutze sie nach seinen Erfordernissen.
Zusätzlich konnte es sich für das Überleben nützliche und schädliche Bewertungen immer besser merken.
Individuen und Artenvarianten, die das nicht im ausreichenden Maße vermochten, gingen zugrunde.
So gab es nach und nach ein in den Nerven und im Körper angelegtes geheimes Wissen, das sich in Gefühlen und Intuitionen zeigt, die das Handeln lenken.
Soweit die Quelle der Gefühle und Intuitionen nicht bekannt ist, sehen Menschen in ihnen oft das Wirken höherer Mächte und nicht das in der eigenen Person angelegte evolutionäre Wissen, das sich auf diese Weise spontan zu erkennen gibt.
Sokrates (aus dem Munde Platons) nannte diese innere Stimme "Daimonion" (griech. "göttl. Wesen"), das ihn leitete, dem Guten zu dienen.Eine höhere Organisationsform der Nerven im Gehirn ermöglichte es weiterentwickelten Lebewesen dem zumeist zufällig zusammengetragenen geheimen Wissen nicht blindlings ausgeliefert zu sein.
Als Menschen begannen sie zu denken, nachzudenken und zu forschen.
Wir rechnen das Denken üblicherweise zum "Bewusstsein", das sich im Menschen zu einem, wenn auch bisher noch eher ansatzweise vorhandenem Selbstbewusstsein weiterentwickelte, um das wir ja immer noch ringen.
Geheimnis des Unbewussten: Viel zu wenig wird verstanden, dass vor allem eine unbewusste Ratio denkt, urteilt und lenkt.
Doch wir kennen ihre Prämissen nicht, weshalb es gilt, auch gegenüber den eigenen Einfällen kritisch zu bleiben.
Dazu haben wir ja als Kontrollorgan den Verstand!Doch kritisches Selbstbewusstsein ist noch wenig gefragt.
Der Materialismus von Naturwissenschaftlern hindert gerade viele von ihnen eine eigenständige Rolle des Geistes zu akzeptieren.
Etliche Neurologen sehen die aus dem Unbewussten kommenden Vorgaben nicht als zur eigenen Person gehörend an und bestreiten die Verantwortlichkeit für diese.
Sie spalten den Menschen in Bewusstes und Unbewusstes und glauben dann, sie sind fein raus.
Doch der Mensch ist ein Ganzes.Wer die auch aus dem Unbewussten kommende Rolle des Beobachters bestreitet, aus welchen Gründen auch immer, bestreitet die Verantwortung der Menschen für ihr Denken, Reden und Tun.
Das ist das heutige Problem des Lebens, dem wir uns in der globalen Bedrohung der Erde durch den Menschen nicht mehr entziehen können.
Die Erde ist ein Ganzes, in dem jedes auf jedes wirkt.
Lassen wir es weiter an Liebe zu ihr fehlen, bleibt sie uns weiterhin nur ein Objekt der Ausbeutung, dann geht sie uns unweigerlich als Lebensraum verloren.
Darüber gilt es weiter nachzudenken und entsprechend verantwortlich zu handeln.
Aufklärung heute ist die Aufklärung der Beobachterrolle.Schlüsselwörter:
Problemlösen, geheimes Wissen, innere Stimme, denken, unbewusste Ratio, globale Bedrohung der Erde, Beobachterrolle, AufklärungDetails s. u.a. II/14 "Die Eigen-Mächtigkeit des Gehirns"
4. Das Geistige als eine neue Schöpfung
Auch das Geistige ist aus einer Mischung unterschiedlicher Qualitäten innerhalb der anderen emergenten Qualitäten hervorgegangen.
Durch die Sinne vermittelte Daten müssen zuerst geordnet und dann bewertet werden, um von Nutzen zu sein, denn die Dinge sagen uns nicht, was und wer sie sind und zu was sie taugen.
Die Bewertung erfolgt auf Grund der Bedürfnisse und der Verständigkeit eines Lebewesens.
Leben ist daher nicht nur eine sich selbst reproduzierende Materie, sondern zwangsläufig auch eine selbstreferentielle.
Aus der Verbindung von objektiven Daten und ihrer subjektiven Bewertung entsteht Wissen als eine neue Schöpfung mit einer eigener Logik und eigenen Werten, die wir die geistige nennen.Das Geistige ist die nach innen genommene Auseinandersetzung mit der Welt einschließlich der eigenen Existenz.
Mit ihm kann Handeln geplant und seine Folgen können (in Maßen) vorausgesehen werden.
Aber nur, wenn das Denken nicht von illusionären Weltbildern geleitet wird, weshalb wir immer um ein nützliches Weltverständnis ringen müssen.
Als mündige und weltoffene Bürger sollten wir unsere inhaltlichen Überzeugungen ohne jede Ängstlichkeit immer unter Revisionsvorbehalt stellen können, wollen wir nicht die Knechte sondern die Herren unserer Meinungen sein.
"Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut" (Perikles)Philosophieren ist das Ringen um die Freiheit des Geistes.
Philosophie will helfen, zu einem vernünftigen Umgang mit Nichtwissen und menschlicher Subjektivität zu kommen.
Einen solchen Umgang nennt man "weise".
Klammern wir uns dagegen an Überzeugungen, ohne sie rechtfertigen zu können, dann sind wir nicht zukunftsfähig.
Und ebensowenig sind wir es, wenn wir die Rolle des Beobachters leugnen und damit die Verantwortung des Menschen für sein Denken, Reden und Tun.
Auch wenn das Geistige voller Illusionen ist - es selbst ist keine Illusion, sondern eine sehr reale Macht, lenkt sie doch das Denken und Handeln der Völker!
Der Satz des Aristoteles, dass eine Sache dann wirklich verstanden ist, wenn sie in ihrer Ursache verstanden ist, zeigt auf, dass das Gehirn ein rationales Organ ist, dessen Ursachendenken sich in der Evolution stammesgeschichtlich herausgebildet hat, weil es erfolgreich für das Überleben seiner Träger sorgte.
Ebenso gehört das automatische raumzeitliche Ordnen von Sinneseindrücken zu dieser durch die Evolution gefestigten Rationalität.
Kant nannte die uns dadurch gegebene Grundlage der Orientierung "die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung", also der Erfahrung vorausgehend und daher "transzendental".
Einstein dagegen nannte Kants Lehre "einer der verderblichsten Taten der Philosophen", getraute er sich doch nicht, Kant beim Namen zu nennen.
Einstein glaubte selbstblind Raum und Zeit seien dem Einzelnen durch Erfahrung gegeben, somit Teil der Außenwelt und daher manipulierbar.
Wollen wir verständige und damit überlebensfähige Wesen bleiben, können wir aber auf Rationalität nicht verzichten.
Ein vernunftfreies Denken, das nicht nach Ursachen fragt, sich dafür auf den Augenschein verlässt, wie der radikale Positivismus eines Ernst Machs, führt nicht nur in die Irre, sondern direkt in den Abgrund.
Gleichsinnig überantwortet Einsteins Raumzeitlehre den Verstand dem Bodenlosen.
Sie ist so irrational wie die heutige Urknall-Kosmologie, was aber die Physiker nicht hindert, beide in höchsten Tönen zu loben und anzupreisen (s. Einsteinjahr 2005!), weshalb die Auseinandersetzung mit ihnen unvermeidlich ist, wollen wir das Dasein meistern.
Denn wenn nach dieser Lehre schon die Entstehung des Universums keiner physikalischen Ursache bedarf, dann bedarf eigentlich nichts einer realen Ursache
und wir könnten uns von Rationalität und Vernunft verabschieden.Grundlage der Rationalität des Gehirns ist seine systemische Fähigkeit des Ordnens von Wahrnehmungen, z.B. in den Kategorien von Raum und Zeit.
Synapsen tasten sich ab und verbinden sich, gebieren Träume, Ideen und Lösungen, die der Prüfung bedürfen, bevor sie umgesetzt werden.
Einige Menschen haben einen unmittelbaren Zugang zu der unbewussten Ebene, weshalb sie schon in früher Jugend auf Gebieten mit einer eigenen Logik, wie Musik und Mathematik, Erstaunliches leisten können. Wir nennen sie "Wunderkinder", später "Genies".
Im Kunstschaffen wird die Trennung von Denken und unbewussten Sein aufgehoben. (Schelling)
Das Kunstwerk ist ein neues Ganzes, ein neues Stück "Welt".
Kultur und Zivilisation sind emergente Hervorbringungen durch den Menschen.
In ihnen verbindet sich das Geistig-Seelische mit der Welt zu einer weiteren neuen Schöpfung.
"Kultur ist geheime Weisheit." (Wangari Maathai, Kenianische Friedensnobelpreisträgerin von 2004)*
*s. auch II/5a "Parmenides im Klartext" die Anmerkungen 2 und 4Schlüsselwörter:
neue Schöpfung, Verständigkeit, Mut, Weisheit, Rationalität, systemische Fähigkeiten, ein neues Stück "Welt", Kultur und Zivilisation
| zurück | zu "III. Biologie, Evolution und Ethik" | zurück zum Seitenanfang mit Index |