Meine Kolumne "Philosophische Sentenz des Monats" auf der kommerziellen Website "Geschenke aus den Museen der Welt".
Philosophische Sentenzen von 2015
Helmut Hille
Geheimnisse des Pendels
15.01.2015In traditionsbewussten Haushalten findet man heute noch Pendeluhren, zumeist in schönen als Zimmerschmuck dienenden Gehäusen. Die Verwendung des Pendels als Taktgeber von Uhren soll auf Galilei (1564 – 1642) zurückgehen, der dringend ein zuverlässiges Maß zur Zeitbestimmung suchte. Der Legende nach soll er im Dom zu Pisa ein durch das Anzünden in Schwingung geratenes Kirchenlicht beobachtet haben, dessen Schwingungsdauer offensichtlich unabhängig von der Größe des Schwingungsausschlags war. Das war das erste Geheimnis des Pendels, das später durch Mathematiker gelöst wurde. Durch Verwendung eines Pendels musste sich Galilei zur Bestimmung der Fallgeschwindigkeit von Körpern nicht mehr mit dem Absingen eines Liedes behelfen. Die Zeiteinheit wurde ihm nun durch die immer gleiche Schwingungsdauer eines Pendels gegeben.Lt. DUDEN ist ein Pendel ein "um eine Achse od. einen Punkt frei schwingender Körper". Wie festgestellt wurde, wird die Schwingungsdauer nur durch die Pendellänge bestimmt und durch die vor Ort herrschenden Schwerkraft, die das Pendel antreibt, nicht jedoch durch das Gewicht des pendelnden Körpers. Der Antrieb wird hervorgerufen durch das Anheben des Pendels, also durch Einsatz einer Kraft. Hierdurch gewinnt es die Energie der Lage (im Schwerefeld), die bei seinem Fallen zur Energie der Bewegung wird. Nach dem Durchlaufen des untersten Punktes der Pendelbahn wird die Lageenergie wieder zurück gewonnen, was den Satz von der Energieerhaltung entspricht. Sofern keine Reibung z.B. durch Luft das Pendel bremst, könnte es ewig zwischen den beiden Energiezuständen mit gleicher Dauer schwingen. Uhren sind dabei ein System, dass die Zahl der Schwingungen registriert und anzeigt und dadurch dem Benutzer Zeitpunkte zur Verfügung stellt. Auch in allen modernen Uhren wird uns das Maß der Dauer, Zeit genannt, durch pendelnde Materie gegeben. Nirgends aber wird dabei von Uhren "die Zeit gemessen", denn Messen ist ein kognitiver Akt und die Zeit ein von Menschen gesetztes rein geistiges Maß, das wie jedes Maß absolut gilt, soll messen Sinn machen.
Doch ein Pendel kann noch mehr anzeigen. Der französische Physiker Léon Foucault ließ 1851 zuerst in der Pariser Sternwarte, dann im Panthéon ein langes Pendel mit einem schweren Körper frei schwingen, der durch eine Spitze Spuren in einem Sandbett hinterließ. Hierdurch konnte er einen Nachweis der Erdrotation (in Abhängigkeit vom Breitengrad) liefern. Unter einem über den Polen aufgehängten Pendel würde sich die Erde im Verlauf eines Tages um 360° drehen. Verantwortlich dafür ist die Trägheit des Pendelkörpers, wodurch die Pendelebene ihre Lage im Raum beibehält. Die einfachste Annahme ist dabei, dass die Materie das von sich aus tut (Descartes und Newton), während Deterministen wie einst die Gottessucher immer etwas hinter den Dingen suchen, heutzutage im CERN bei Genf das Higgsfeld, dass die Körper im Raum festhalten würde – wie ich denke, eine total überflüssige Spekulation, welche den Dingen und letztlich auch den Menschen ihre Eigenmächtigkeit abspricht. In einem demokratischen Zeitalter ist das ein gefährlicher Anachronismus. - Und das die Erdrotation anzeigende Pendel widerlegt auch die bei Max Born in "Die Relativitätstheorie Einsteins" zu findende Aussage, es wäre beliebig (weil relativ) ob man annimmt, dass sich die Erde um ihre Achse oder der Kosmos sich um die Erde dreht, obgleich bereits die äußeren Planeten des Sonnensystems dabei mit mehr als Lichtgeschwindigkeit unterwegs sein müssten, was Einstein doch gar nicht schätzte.
Und Pendel können noch mehr. Das Doppelpendel ist ein beliebtes Modell zur Demonstration von chaotischen Prozessen. An den Arm eines Pendels wird ein weiteres Pendel gehängt. Diese einfache Konstruktion erzeugt ein unvorhersehbares Bewegungsmuster. Störungen oder geringe Änderungen in den Anfangsbedingungen verändern in nicht vorhersehbarer Weise immer wieder die Schwingungen. Hier wird Menschen, die in ihrem Allmachtswahn glauben, dass alles berechenbar wäre, ihre Grenzen aufgezeigt, so wie das schon Heisenbergs Unschärferelation tut, die eben darum nicht nur Freunde hat. So widerlegen simple Pendel durch ihre genaue Beachtung falsche Überzeugungen, die oft auf naive Wunschvorstellungen zurückgehen. Auch gerade auf die von Physikern.
Zum Weiterlesen:
ZEIT UND SEIN. Erhellungen von Helmut Hille
Tagungsbeitrag zu (1) "Ist die Zeit messbar?"
http://www.helmut-hille-philosophie.de/t-zeit.html
Helmut Hille
Was gibt es daran nicht zu verstehen?
15.03.2015Neuerdings mache ich immer wieder mal kurze klare Aussagen und frage dann den Leser meiner Seiten oder meiner E-Mails: "Was gibt es daran nicht zu verstehen?" Zum Beispiel auf dem Anhang der Startseite von WEGE DES DENKENS, den "Kurzaussagen zu meinen Themen":
"Die Zeit keine Sache ist, die draußen irgendwo abläuft. Was da abläuft sind natürliche Prozesse, deren Dauer wir anhand unseres Maßstabs Zeit messen können. Gerade nur dadurch, dass der Maßstab absolut gilt, können wir zuverlässig vom Tempo der Prozesse wissen! Was gibt es daran nicht zu verstehen???"Maßstäbe sind vom Menschen gesetzte Messgrößen mathematischer Art, die von keinen weiteren Bedingungen abhängen, da sie sonst nicht zuverlässig wären. Daher heißt auf WEGE DES DENKENS in Datei I/A6 "Messen als Erkenntnisakt":
"Niemand kann ohne konstante Maßeinheiten und Messmittel mit Sicherheit etwas von der Konstanz einer Geschwindigkeit wissen! Was gibt es daran nicht zu verstehen???"Es geht also eigentlich immer um Selbstverständlichkeiten, die keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Denn wer schon Selbstverständliches nicht versteht, hat keinen Verstand bzw. dieser wird ihm von Vor-Urteilen blockiert und er versteht letztlich gar nichts. Mit Selbstverständlichen beginnend hoffe ich, mich verständigen Menschen verständlich zu machen.
So auch hier:Am Ende der Buchsprechung von Habermas' Buch "Wahrheit und Rechtfertigung" wo es im Buch heißt: "daß wir mit der Wahrheit von Aussagen einen unbedingten, über alle verfügbaren Evidenzen hinausweisenden Anspruch verbinden", der also nicht auf absolut geltende Wahrheiten verzichten will, weil er glaubt, als Mensch darauf einen "Anspruch" zu haben, zog ich das Resümee:
"Von einem Vernunftwesen mehr als vernünftige Wahrheiten zu erwarten ist unvernünftig! Lieber Herr Habermas, wo Sie doch immer so vernünftig sein wollen: Was gibt es daran nicht zu verstehen???"Zur Suche nach dem Higgsteilchen am LHC in Genf, das angeblich den übrigen Teilchen ihre "Masse" verleihen würde, schrieb ich auf Datei I/B16 in WEGE DES DENKENS "Ausreden ohne Ende?":
"Die Masse ist ein Maß der Trägheit, mit der wir den Widerstand eines Körpers messen, wenn auf ihn eingedrückt wird, also eine vom Menschen gesetzte geistige Messgröße, in Normen festgelegt. Aus dem Widerstand eines Körpers schließen wir dann auf die Menge seiner Materie. Was ist daran falsch bzw. was gibt es daran nicht zu verstehen???"In der E-Mail vom 08.01.2015 an Prof. Lesch fragte ich ihn zum gleichen Thema:
"Warum gilt Newtons Dynamik bis heute und wird immer gelten? Weil Newton mit Hilfe seiner Mathematik die subjektive Größe v (die Geschwindigkeit) eliminiert und zur Berechnung nur die Größe Geschwindigkeitsdifferenz benutzt, als Folge einer objektiv einwirkenden Kraft. Was gibt es daran nicht zu verstehen???"Solche Selbstverständlichkeiten zähle ich zu den Voraus-Setzungen jeder sinnvollen physikalischen Forschung, ohne die wir gar nicht verstehen können, war wir da tun - weshalb sie aber auch nicht ihr Gegenstand sein können, will man nicht den Boden unter den Füßen verlieren.
Aus "Gruß an Sokrates" auf ZEIT UND SEIN:
Ohne Setzungen gibt es keine Gegensätze,
ohne gültige Maßstäbe gibt es keine gültigen Maße,
ohne vernünftige Urteilskriterien gibt es keine vernünftigen Urteile.
Urteilskriterien sind weder wahr noch unwahr
sondern eben vernünftig,
nämlich durch sich selbst verständlich.Zum Weiterlesen:
WEGE DES DENKENS
I. Rationale Grundlagen der Physik
Datei (A7) "Grundlage einer Theorie des Messens"
http://www.helmut-hille.de/grundlag.html
Helmut Hille
Das Universum
15.04.2015Das Universum nach Einstein
heißt ein Artikel im "Physik Journal" vom März 2015 anlässlich 100 Jahre Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie (alle Zitate aus dem Artikel). In dem Aufsatz geht es um seine "kosmologische Konstante", die als "Antigravitation" dafür sorgen sollte, dass das "Universum" von konstanter Größe bleibt. Bereits Newton sorgte sich um ein stabiles Universum, das sich aus seiner Gravitationsgleichung nicht ergab. Er beruhigte sich jedoch damit, dass im Notfall Gott eingreifen würde, um ein Auseinanderfallen der Welt zu verhindern. Einstein wollte dies mit seiner Antigravitation erreichen. "Zu seiner großen Überraschung stieß Einstein mit seinem Ansatz auf eine grundsätzliche Schwierigkeit, die bereits frühere Generationen im Rahmen der Newtonschen Theorie erkannt hatten: Seine Feldgleichungen ließen kein statisches Universum zu; entweder musste dieses zusammenfallen oder expandieren." Dazu passt, dass bereits "ab 1912 der amerikanische Astronom Vesto Slipher die Rotverschiebung von Galaxien beobachtete" und damit eine wichtige Grundlage für die Vorstellung eines expandierenden Universums legte. Die Rotverschiebung des Lichtes heißt als Dopplereffekt, dass sich die Licht aussendende Quelle und der Beobachter voneinander entfernen, was mit einer Verlängerung der Lichtwellen in das rote Spektrum einhergeht. Der Autor des Artikels, Prof. Norbert Straumann, fragt: "Weshalb war Einstein so darauf versessen, ein statisches Modell zu konstruieren?" Meine Antwort: für Autisten haben unverstandene Veränderungen etwas Bedrohliches. Obwohl dafür kein sachlicher Anlass bestand, war jedoch der Glaube an ein statisches Universum zu seiner Zeit bis zum Auftreten des belgischen Priesters und Physikprofessors Abbé Georges Lemaître 1927 auch allgemein. Lemaître aber folgerte aus der Expansion den "Urknall" als Schöpfungsakt Gottes, was der katholischen Kirche sehr gefiel. Kosmologen kommen einfach nicht ohne Gott aus.In "neuester Zeit" hat man zusätzlich "die beschleunigte Expansion des Universums entdeckt", die Einstein "deutlich abgelehnt" hat. Aufgrund der nunmehr gesicherten Rotverschiebung von Galaxienlicht verwarf Einstein jedoch den kosmologischen Term "und blieb dabei für den Rest seines Lebens." Einsteinfreunde dagegen "haben die Diskussion um seine kosmologische Konstante erneut entfacht, die sich zum Problem der "Dunklen Energie" (als Ursache der Beschleunigung) ausgeweitet hat", um Einstein doch noch gerechtfertigt aussehen zu lassen, obwohl er mit ihr ein statisches Universum plausibel machen wollte. Aber eine solche Differenz stört tapfere Einsteinfreunde nicht, wenn evtl. wenigstens sein Begriff gerettet werden kann, obwohl er ihn "meine größte Eselei" genannt hatte.
Das Universum nach Hille
Mit der Einsicht, dass die Welt aus einem Big Bang hervorgegangen sein muss, haben wir in Verbindung mit Newtons Gravitationsgleichung und dem Erhaltungssatz der Energie als rationale Grundlage dann alle Elemente für die Dynamik des von uns beobachtbaren Kosmos in der Hand, der im Universum vermutlich einer von vielen ist, hervorgegangen aus einer zusammenströmenden Materie. Der im Deutschen verwendete Begriff "Urknall" wäre demnach nur der Urknall unseres Kosmos, aus dem ein durch ihn geordnetes neues Ganzes hervorging, während das Universum selbst zeit- und grenzenlos ist.Beim Big Bang wurden aller betroffenen Materie zwei Impulse verliehen:
1. die kosmische Fliehkraft vom Ort des Big Bang weg,
2. die gegenteilige Anziehungskraft aller Materie auf alle andere betroffene infolge ihrer Verschränkung durch den Big Bang, weshalb sie ständig zueinander hin strebt.
Der von uns zu beobachtende Kosmos ist das Ergebnis dieser beiden widerstreitenden Urkräfte und ihr getreues Abbild und so der größtmögliche Beweis, den es für eine These je geben kann. So wie die Schwerkraft aller kosmischen Materie nicht verlierbar ist, so bleibt auch ihr Fliehimpuls im Großen erhalten, während Galaxien und Planetensysteme beim gemeinsam "fliehen" durch das Gleichgewicht beider Urkräfte zusammengehalten werden.Die Schwerewirkung aller Teile aufeinander war sofort nach dem Big Bang am größten, aber eben nicht groß genug, um sie zusammenzuhalten, während mit zunehmender Entfernung untereinander sie sich nach Newtons Gleichung mit dem Quadrat des Abstands verdünnt. Das heißt, die kosmische Fliehkraft setzt sich mehr und mehr durch, so dass wir nicht nur einen expandierenden Kosmos haben, sondern einen, der zwangsweise immer schneller expandiert. Hinzu kommt, dass die Reichweite des Schwerefeldes eines Objekts durch das Plancksche Wirkungsquantum begrenzt ist, d.h. ein Feld kann sich nicht beliebig verdünnen, so dass auch dadurch die Beschleunigung zunimmt. Die Annahme einer Dunklen Energie zur Erklärung der Expansion erübrigt sich! So haben wir es mit einem Weltbild von großer Einfachheit, Klarheit und Schönheit zu tun, das darin nicht übertroffen werden kann. Entscheidend für meine Sicht des Universums war die Unterscheidung von Kosmos und Universum und die Einsicht, dass die Schwerkraft Folge der Verschränkung aller betroffenen Materie durch den "Urknall" ist. Beides habe ich noch bei keinem anderen Autor gelesen.
Zum Weiterlesen:
Die Sentenzen von 2009 "Gab es einen Urknall?" vom Januar
und "Tanz der verschränkten Quanten" vom Juli
ausführlicher auf ZEIT UND SEIN den DPG-Tagungsbeitrag von 2009:
"Kosmologie ohne Scheuklappen"
http://www.helmut-hille-philosophie.de/anhang7.html
Datei I/C8 mit Kopf- und Fußnoten auf WEGE DES DENKENS: http://www.helmut-hille.de/universal.html
Helmut Hille
Eine Weltraumfahrt, die diesen Namen verdient
15.05.2015![]()
Parmenides 2014 im TV - Was sind Leben? - Was ist Gesundheit? - Alles was Sache ist - Sprachvergessenheit als Problem - Hier irrte Platon