Kausalität contra Determinismus

Das Requiem für Determinismus und Kausalgesetz


mit dem DPG-Vortrag von 1998 "Gibt es ein Kausalgesetz?"



Leserbrief des Autors
in Heft 2/1995 von "Aufklärung und Kritik" zum Aufsatz von Hermann Kraus: "Determinismus, Wissen, Realität oder Indeterminismus, Glaube, Wunder?" (gekürzt, ergänzt)

Lieber Hermann,
auch ich beschäftige mich schon längere Zeit mit der Determinismusfrage und ich denke, daß ich jetzt zumindest einen Einstieg in das Thema gefunden habe. Dein in jeder Beziehung interessanter Aufsatz ist für mich ein aktuelles Spiegelbild der Situation, in der die Deterministen durch die Quantenmechanik (QM) geraten sind und die sie noch immer am Rotieren hält. Doch die behaupteten Schwierigkeiten der QM mit der Kausalität sind für mich nur die Schwierigkeiten, die ein den Tatsachen unangepaßtes mechanistisches Determinismusverständnis mit ihnen hat (ganz abgesehen davon, daß die Unschärfe keine Eigenschaft der Quanten, sondern eine unseres Wissens über Quanten ist). Du trägst dem Rechnung, indem Du die Kausalität zu begründen versuchst, leider aber über die Begründung aus Erfahrung kaum hinaus kommst. Nicht wahr, der Determinismus und die Kausalität können sich ja nicht selber begründen, weil es sich sonst um willkürliche Setzungen handeln würde, die beide gerade nicht meinen. Jede determinierende Setzung muß einen sachlichen Grund in den Dingen der Welt selber haben. Dieser Grund darf dann aber eben kein fremddeterminierter sein. Diesen Grund müssen die Dinge akausal von sich aus haben, denn sonst würde - mangels eines Grundes oder einer Ursache - ein unendlicher Regreß entstehen, den man dann nur mit Hilfe einer außerweltlichen Ur-Sache zum Halten bringen könnte, welche die Menschen "Gott" nennen.

Das Thema der Kausalitätsbegründung wird mich weiterhin beschäftigen. Aber mir ist jetzt schon klar, daß ich Deine Alternativen in einer ganz anderen Zusammenstellung sehe. Erst wo die Fremdbestimmung durchbrochen und die Kausalität auf den Boden des Selbsterhalts von Zuständen gestellt ist, was sich in den von Dir sehr richtig bemühten Erhaltungsgesetzen - als nicht weiter ableitbare oberste Gesetze der Physik - widerspiegelt, braucht man weder Wunder noch einen Gott, der der Natur die Gesetze auferlegt. Die Idee der Fremdbestimmung der Natur hat das absolutistische Herrschaftsmodell als Vorbild, bei dem alles von außen her machbar erscheint, weil es die Dinge ohne eigenes Bestreben sieht. Der von Dir beklagte Staatsterrorismus sozialistischer Prägung und sein Untergang waren genau die Folge dieses, auch die Eigenantriebe des Menschen leugnenden absolutistischen Modells, weshalb die Suche nach einem angemessenen Kausalitätsverständnis alles andere als ein akademisches Problem ist. Nachdem Du Heraklit zitiert hast, laß mich noch seinen Zeitgenossen Parmenides erwähnen, welcher in das Zentrum seiner Überlegungen die Einsicht gestellt hat: "Seiendes ist!" D. h. wir sollen die Existenz des Daseins ohne Wenn und Aber akzeptieren und nicht fruchtlose Versuche machen, es von irgendwem oder von irgendwoher abzuleiten, welches eben die Sucht doktrinärer Deterministen ist, die aber die unableitbare Existenz der Dinge nur ins Nebulöse verlagert. Wie Du siehst, behandeln wir ein Problem und seine Lösung, die beide nicht neu sind.

Helmut Hille


Vortrag auf der 62. Frühjahrstagung der DPG März 1998 Uni Regensburg FV MP
MP Sitzung 9.1 gemeinsam mit FV DD und FV GR
den eingereichten Kurztext s. übernächsten Text

Gibt es ein Kausalgesetz?

Das Requiem für Determinismus und Kausalgesetz
Was zu bedenken ist, um ein vernünftiges Weltbild zu erreichen
Gegen das dualistische Denken, für Notwendigkeit und Zufall
Lob und Heilung des Zufalls

Was zu bedenken ist, um ein vernünftiges Weltbild zu erreichen
Auch wenn Sachen ihren Zustand nicht von sich aus haben, so ist es doch ihr Bestreben, ihren Zustand von sich aus zu erhalten, weshalb Erhaltungssätze nicht weiter ableitbar sind. Das Verharren im Zustand, für das die verharrende Sache selbst zugleich einzige Ursache ist, ist Voraussetzung von Physik als Wissenschaft: nur an einer von sich aus verharrenden Entität kann das Einwirken von Kräften erkenntlich werden. Wenn das Verharren ebenso wie das Nichtverharren Folge von Kräften wäre, dann ist Kraft, als die einen Zustand verändernde Größe, nicht definierbar.

Nur ein nicht weiter begründbares Verharren beim Fehlen von Ursachen läßt Physik als eine prognostische Wissenschaft zu. Wer Trägheit abzuleiten oder zu erklären versucht, hat die Voraussetzung von Prognose nicht begriffen. So ist auch die Isotropie der Lichtausbreitung von ihrer Quelle nicht erklärungsbedürftig sondern ohne Wenn und Aber zu akzeptieren. Erst das Fehlen von Isotropie würde eine Erklärung herausfordern. Tritt keine Anisotropie ein, wo sie erwartet wurde - dann war die Erwartung falsch (Michelsonexperiment). So einfach ist das! Falsche Erwartungen zu falsifizieren ist der Sinn von Wissenschaft. Doch fällt es wohl ungeheuer schwer, sich einen Irrtum einzugestehen. Viel lieber glaubt man, daß es an den Meßmittel liegen müsse, wenn eine falsche Erwartung sich nicht bestätigt hat, weshalb man die relativistische Umdeutung der Meßergebnisse so bereitwillig annimmt. Doch die Wissenschaft sollte der Wahrheit und nicht der Erwartung dienen. Heute haben wir in der Physik ein Redlichkeitsproblem, weshalb es soweit gekommen, daß Fakten sich vor Theorien verantworten müssen, gemäß Hegels Ausspruch: "um so schlimmer für die Tatsachen", wenn sie sich Theorien nicht fügen. Für das Verständnis der Dinge und den Fortgang der Wissenschaft ist eine solche Einstellung wirklich schlimm, wie ich hier immer wieder zu zeigen versuche, in der Hoffnung, das Gewissen der Physiker zu erreichen, wenn sie denn wirklich Wissen schaffen und nicht vernebeln wollen.

Die Auflösung
Die Determinierung einer Sache durch eine Fremdursache, die Fremdbestimmung, ergibt sich nur dadurch, daß die fremde Sache ebenfalls bestrebt ist, von sich aus - also akausal - ihren Zustand zu erhalten. Die angebliche Fremdbestimmung ist demnach nur die Auswirkung der Eigenbestimmung einer fremden Sache. Der deterministische Standpunkt ist also lediglich eine um die Begründung verkürzte Kausalbetrachtung. Mit ihr wird der akausale Grund aller Kausalität, ihre Letztbegründung, entweder schlicht übersehen oder aus eigennützigen oder ideologischen Gründen bewußt geleugnet.

Ähnlich liegen die Gründe für den Glauben an ein Kausalgesetz. Dieses wäre wie ein hölzernes Eisen, denn entweder werden die Dinge von außen bestimmt, unterliegen also einem Gesetz, oder ihr Verhalten bestimmt sich aus ihrem akausalen Sosein, das erst bei Wechselwirkung zur Ursache wird. Ursächlich heißt also: der Sache selbst entspringend, weil sie sich von sich aus in ihrem Zustand erhalten will. Das machsche Prinzip sieht gleich ganz von immanenten Ursachen ab, wobei es sich einer massenlosen Masse bedient. Die Trägheit wäre nach ihm keine originäre Eigenschaft der jeweiligen Materie, sondern ihr nur von "fernen Massen" geliehen, die sie - weil selbst Materie - aber auch nicht haben dürfen. Aber niemand kann etwas geben, was er nicht hat. Materie verhielte sich also nur, als ob sie Materie wäre und Masse hätte, denn sie müßte ja ohne eine solche dastehen, um auf die Hilfe von außen angewiesen zu sein. In einer solchen Weltbetrachtung verkommt die Welt zum Theater, in dem alles nur Schein ist und die Physik wird zur Dichtung. Wer immer etwas hinter den Dingen sucht, sieht am Ende die Dinge selbst nicht mehr. Doch warum beläßt man nicht einfach die Phänomene bei und in den Dingen sondern sucht sie - ohne jeden sachlichen Anlaß - hinter und über ihnen? Oder anders gefragt: Warum treibt man Metaphysik statt Physik? Hier macht m.E. nur eine Antwort Sinn: Weil es gar nicht um Physik sondern um Glauben geht, hier der Glaube an eine transzendente Macht. Die "ferne Masse" wäre demnach nur ein physikalisches Synonym für einen Gott, der alles bewirkt. Also um die Existenz Gottes anhand seines Wirkens "zu beweisen" betreibt man Metaphysik - wie das immer schon war. Die Physik ist heute im säkularen Bereich in weiten Teilen das Rückzugsgebiet des totalitären Denkens, das zu rechtfertigen interessierten Kreisen jedes Mittel recht ist. Zitat: "Philosophieren in Grundfragen ist eben nur scheinbar ein Philosophieren. Angesichts individueller und kollektiver Bedürfniswahrheiten wird das tatsächlich immer schnell zum psychologischen Problem." (Zitat nach Friedrich Seibold)

Nach der Ursache eines Geschehens zu fragen ist ein Forschungsgrundsatz, den die Vernunft uns aufgrund der Lebenserfahrung nahe legt. Weder unterstellt er, daß Ursachen etwas von den Sachen Getrenntes, also Übersinnliches sind, noch daß alles eine Ursache haben muß, weil dies ungeprüfte Tatsachenbehauptungen wären. Die These, daß alles eine fremde Ursache haben muß, impliziert zudem einen unendlichen Regreß, der dann auch nur wieder mit Gott durchbrochen werden könnte, um den es ja vielen in ihrem dualistischen Weltbild geht. Doch der wirkliche Wissenschaftler muß einfach sehen, wie weit ihm die Frage nach der den Sachen immanenten Ursachen bei der Aufklärung eines Sachverhalts behilflich ist. Und solange er sich bewußt bleibt, daß es sich bei ihm nur um einen pragmatischen, wenn auch durch Logik und Erfahrung nahegelegten Forschungsgrundsatz handelt, mit dem noch keine Behauptung verbunden ist, bleibt er auf der Spur der Vernunft und jener Wahrheit, die uns zu erkennen möglich ist.

Gegen das dualistische Denken, für Notwendigkeit und Zufall
Ein gängiges Denkschema über das Funktionieren der Natur ist: wie es die Menschen und die staatlichen Gesetze und Vorschriften gibt, denen sie zu folgen haben, ebenso gibt es die materiellen Dinge und die Naturgesetze, denen sie unterliegen. Diese Naturgesetze sieht man entweder als von Gott den Dingen auferlegt oder mit dem Urknall „entstanden“ an. Da gilt es schon als unkonventionell, wenn Nobelpreisträger Gerd Binnig die Gesetze sich mit dem expandierenden und abkühlenden Universum entwickeln sieht. Und wer ohne Gott auskommt und der Materie die Fähigkeit zur Selbstorganisation einräumt, hat möglicherweise trotzdem im Hinterkopf die Vorstellung, daß dies nach irgendwelchen Gesetzen geschieht und nicht einfach eine Folge der materiellen Struktur der Dinge ist. Meine These lautet: Naturgesetze sind Ausdruck des Soseins der Natur.

Die dualistische Welterklärung nach dem Schema menschlicher Herrschaft ist nur schwer abzulegen, weil der Mensch - in Ermangelung eines objektiven Wissens - immer von sich auf andere schließt, also vom Bekannten auf das Unbekannte. Und indem er das Unbekannte sich dadurch anverwandelt, glaubt er dann, es zu verstehen. Daher ist der Gedanke wenig populär, weil beunruhigend, daß das Wechselspiel der materiellen Dinge durch ihre eigene Natur bestimmt wird, also ursächlich ist - denn man denkt bei solcher Ungebändigtheit doch instinktiv: wo käme wir da hin, wenn jeder macht, nach was ihm gerade zumute ist. Dabei gibt uns die an der Erfahrung unzähliger Generationen abgeschliffene Sprache mit dem Begriff der „Ursache“ und des „Ursächlichen“, schon einen hervorragenden Hinweis darauf, wie es sich wirklich verhält: Die Ursache ist das, was in der Wechselwirkung aus den Sachen selber kommt. Das Geschehen ist daher geprägt von Notwendigkeit und Zufall: notwendig verhalten sich die Dinge gemäß ihrer eigenen Struktur. Doch welche Dinge unter welchen Umständen zusammentreffen und was sich daraus ergibt, ist - infolge fehlender Lenkung - zufällig. "Zufällig" heißt "ungeplant", nicht mehr und nicht weniger! Und diesen Gedanken der Zufälligkeit eines Zusammentreffens mit der Offenheit seines Ergebnisses und die Tatsache der nicht restlosen Aufklärbarkeit von ungestörten Anfangszuständen im Quantenbereich und die daraus sich ergebende Unschärfe der Prognose können deterministische Denker nicht ertragen, die deshalb einer ewigen vorausbestimmten (göttlichen) Ordnung bzw. sogar dem permanenten Einwirken Gottes den Vorzug geben, auch wenn sie nicht unserer Lebenserfahrung entspricht. Ein Gemeinwesen, das sich fatalistisch dem Gang der Dinge hingibt, beraubt sich der Fähigkeit, seine Zukunft in vernünftiger, d.h. der Situation angemessener Weise selbst zu gestalten, weshalb der Kampf gegen die Prediger des Determinismus uns alle angeht.

Lob und Heilung des Zufalls
Den Zufall zu leugnen halte ich für ein großes Missverständnis. Ohne den Zufall wäre es wahrscheinlich nichteinmal zur Entstehung des Lebens gekommen, geschweige zu seiner Weiterentwicklung. Die Tendenz qualitativ unterschiedlicher Elemente sich durch Aufnahme oder Abgabe von Energie zu verbinden, wodurch nach außen hin neue Qualitäten entstehen, ist in der Materie angelegt. Aber immer musste etwas Zufälliges geschehen, um die vorhandene Ordnung zu stören. So ist der Zufall das eigentlich schöpferische Element der Evolution. Hunderte von Millionen Jahren dauerte die genetischen Gefangenschaft des nur immer wieder sich selbst durch Zellteilung reproduzierenden Einzellers bis es zur geschlechtlichen Vermehrung von Arten kam, ohne dass die Einzeller deshalb aufgehört hätten zu existieren. Es war eben nur eine neue Linie der Evolution entstanden, die den Zufall durch Erfindung eines Genpools instrumentalisiert hatte. Nun konnten sich die Gene ungeplant mischen, nicht nur durch die Wahl des Geschlechtspartners, sondern schon in der Meiose, der Reifungsteilung, durch die bereits im Zellkern des einzelnen Individuums die elterlichen Gene immer wieder neu zusammengestellt werden, weshalb auch Geschwister merklich verschieden sind, von eineiigen Mehrlingen abgesehen. Und letztlich ist durch Zufall aus mehreren frühen Hominidenarten, die über lange Zeiträume unverändert und zum Teil nebeneinander existierten, die eine übrig geblieben, die durch einen glücklichen Umstand ihre geistigen Fähigkeiten entwickelte und die diese nur weiter entwickeln kann, wenn sie ganz undoktrinär offen bleibt für alles, was da auch "zufällig" noch auf sie zukommen kann. Darum ist der Kampf gegen die Feinde der offenen Gesellschaft, die alles durch transzendente Gesetze auf ewig festgelegt sehen, so überlebenswichtig.

Die von den Gegner der offenen Gesellschaft gepflegte Annahme, ohne ein schon ewig existierendes Ziel der Geschichte - die menschliche Seligkeit, die klassenlose Gesellschaft oder der Weg des absoluten Geistes zu sich selbst - wäre diese sinnlos und ohne ein solch finales Ziel könne es keine verbindlichen moralischen Gebote geben, überzeugt eben nur jene, die eigene geistige Anstrengungen scheuen. Doch gewinnt der Mensch nicht sehr viel mehr Würde, wenn er fähig ist, seinem Leben selbst Sinn zu geben und somit das als sinnlos empfundene Zufällige zu heilen, in einem weiteren selbstschöpferischen Akt der Evolution? Freilich, ein gewisses Maß an Weisheit bedarf es dazu schon. Vernünftige Ziele undoktrinär zu setzen, um das Leben sowie die Freiheit und Würde des Menschens zu entwickeln, sehe ich als eine immerwährende Aufgabe an.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Helmut Hille
FV DD


weitere Texte zum Thema

Kausalität als Vernunftprinzip
Die Klärung der Kausalitätsfrage hat sich bei mir über 4 Jahre hingezogen, wie meine Ausführungen belegen. Für mich stellt sie sich deshalb als das schwierigste Problem dar, das ich jemals angegangen habe. Heute halte ich die Kausalität für ein Vernunftkriterium, das uns die Lebenserfahrung nahelegt, und das wir, wie jedes andere Kriterium auch, an die Welt herantragen und einfach sehen müssen, wie weit es uns beim Verständnis eines Geschehens hilft. - Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Kausalitätsargument relativistischer Physiker findet sich in Text I/C4 über den Tunneleffekt.
München, den 28.Febr.1999

Die Beschäftigung mit dem Kausalitätsproblem geht weiter: Hinweis auf Grenzen des Prinzips
Das Kausalitätsprinzip im strengen Sinne findet dort seine Grenze, wo durch die Integration qualitativ unterschiedlicher Komponenten in einem schöpferischen Akt neue Ebenen der Wirklichkeit entstehen, z.B. mit dem Phänomen Leben, das nicht aus seinen Komponenten abgeleitet werden kann, sondern diese regiert. Lebewesen wiederum bedienen sich der Informationen ihres Gemüts bzw. Geistes, die eine weitere eigene Wirklichkeit mit eigenen Regeln bilden. Diese neuen Ebenen sind so wirklich wie die materielle Ebene. Das für solches Auftauchen neuer Phäno-Ebenen verantwortliche, "Mischung" genannte immanent schöpferische Prinzip habe ich u.a. in meiner Parmenides-Rezension (Text II/5) erläutert. In der englischen Metaphysik wird ein solches "Auftauchen" von etwas vorher nicht Vorhandenen "Emergenz" genannt. Auf meiner seit Anfang 2002 im Netz stehenden neuen Philosophie-Site ZEIT UND SEIN habe ich mich mit ihr auseinander gesetzt, z.B. in Text [6] Emergenz contra Reduktionismus. Ich prüfe dort die Argumente des dogmatischen Reduktionismus, wie ich mich hier mit dem doktrinären Determinismus auseinandersetze, stets in dem Bestreben, den Blick auf alle Wirklichkeiten offen zu halten bzw. ihn zu öffnen. Dieser offene Blick gehört für mich zu den Tugenden eines mündigen Bürgers, um den es mir geht.
Heilbronn, den 27.Jan./25.Sept.2002, März 2008 erg.


Gibt es ein Kausalgesetz?
Vortrag auf der Jahrestagung der DPG März 1998, Uni Regensburg, MP Sitzung 9.1 gemeinsam mit FV DD und FV GR
hier: der eingereichte Kurztext, den ich Ende 2002 auf dem Server der Uni Ulm wiederfand (aber auch 2012 in den "Verhandlungen" der DPG von 1998)

Kurztext
Infolge des auf Autorität gegründeten politischen und theologischen Erbes aus vergangenen Jahrtausenden verstehen Naturwissenschaftler die sog. Naturgesetze mehr oder weniger unbewußt als die Wiedergabe eines den Dingen auferlegten Verhaltens. Beim Determinismus machen sie zumeist keine klare Unterscheidung zwischen Fremdbestimmtheit und Eigenbestimmtheit. Religiöse Denker, wie z.B. C. F. v. Weizsäcker, sprechen sogar explizit von einem Kausalgesetz, womit sie m.E. aber etwas in sich Widersprüchliches behaupten, denn entweder folgen die Dinge ihrer eigenen Natur oder einer fremden, sie verfremdenden. Im ersten Fall wäre ihr Verhalten ur-sächlich, d.h. aus der Sache kommend, und wir könnten etwas über die Natur der Sache erfahren. Im zweiten Fall würden die Sachen auferlegten Gesetzen folgen und wir könnten evtl. etwas über Intentionen des Gesetzgebers in Erfahrung bringen, wie dies Einstein wollte (der meinte, wenn er Gottes Gedanken kennen würde, wäre der "Rest" - die Physik - "einfach"). Ich denke jedoch, Naturwissenschaft zu betreiben heißt, etwas über die Natur erfahren zu wollen. Daher wäre, bis zum Beweis des Gegenteils, davon ausgehen, daß sich unbelebte Dinge kausal, d.h. ursächlich verhalten, wollen wir uns nicht von Anfang an der Spekulation hingeben.

Eine Begegnung mit Carl Friedrich von Weizsäcker und Nachruf
Gestern (28.04.2007) wurde im TV gemeldet, dass Carl Friedrich von Weizsäcker im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Ich hatte im Januar 1997 in der Münchner Uni im großen Hörsaal 201 anlässlich der Vortragsreihe "Der Schritt der Wissenschaft" die Gelegenheit ihm meine Überzeugung vorzutragen, dass die Unschärfe in der Quantenphysik (die wohl besser "Unbestimmtheit" oder noch besser "Unbestimmbarkeit" heißen müsste), eine Eigenschaft unseres Wissens ist und nicht eine der Quanten. Prof. v. Weizsäcker mochte mir zwar nicht widersprechen, wollte mir aber auch nicht zustimmen, weshalb er auswich und sagte, dass wir vom Verhältnis von Subjekt und Objekt zu wenig wissen. Zur Fortsetzung der Diskussion empfing er mich Wochen später in seinem Starnberger Büro und wir sprachen weit über eine Stunde miteinander, vor allem über die Notwendigkeit ganzheitlichen Denkens. Beim Herausgehen fragte mich seine Sekretärin munter, ob nun alle Klarheiten beseitigt sind. Diese Frage war berechtigt. Sie kannte eben Ihren Chef. Im TV hieß es gestern dazu, dass er bereits mit 12 Jahren in den Himmel blickte und dort sowohl Gott als auch eine Welt voller Atome sah. Dieser Dualismus prägte sein stets um das Ganze besorgtes verdienstvolles Leben, weshalb er auch an das "Kausalgesetz" glaubte, das sich nicht zwischen Natur und Gott entscheiden kann, also ein hölzernes Eisen ist, wie ich zuvor dargelegt habe. Der Mensch will die Welt eben nicht nur mit dem Verstand verstehen, sondern auch mit dem Herzen. Dass die Konsequenz des Denkens darunter leidet ist unvermeidbar. Ich dagegen sehe mich in erster Linie der Klarheit des Gedankens verpflichtet, ohne persönlich verletzend sein zu wollen, haben eben andere auch andere Prioritäten.
(letzte Ergänzung: 14.05.07; 03.05.14 Titel ergänzt; 24.10.14 Alter korrigiert)


"Moderne" Wissenschaft und "das alte Europa"
Der Determinist, immanente Ursachen nicht akzeptierend, ist einer, der das Bewirkende krampfhaft "hinter" den Erscheinungen sucht, weil sie sich ja nicht selbst bestimmen dürfen, und bei genügend Phantasie auch findet. Einstein: "Phantasie ist wichtiger als Wissen." Wo Newton noch rein kausal, also allein durch das freie Spiel der Kräfte Phänomene verständlich machen konnte, benötigt der Determinist heute als Bewirker ferne Massen, ein ehernes Tempolimit, eine veränderliche Masse, biegbare Räume, dehnbare Zeiten, versteckte Parameter, Weltlinien u.ä. so wie man früher Natur-Ereignisse scheinbar ebenfalls ganz plausibel in Abhängigkeit von unsichtbaren Göttern, Geistern, Zauberern, Zwergen u.ä. Phantasiegeschöpfe sah, die es ja ebensowenig gibt. Um die behauptete Fremdbestimmung plausibel zu machen, ist es notwendig, die Existenz dieser Fremdbestimmer plausibel zu machen!!! Die anhaltende teure Suche nach den Existenzbeweisen dieser aus dem Hut gezauberten Geschöpfe Einsteins heißt dann "moderne Wissenschaft". "Modern" an ihr ist, dass man nicht nur hinter Newtons Dynamik zurückgefallen ist, sondern auch hinter Kants Lehre von Raum und Zeit als a priori gegebene Anschauungsformen. Und schließlich wird noch durch die falsch verstandene Relativität der Bewegung "... die Rückkehr zu des PTOLEMÄUS Standpunkt der 'ruhenden Erde' ins Belieben gestellt" (Born, Die Relativitätstheorie Einsteins) - weiter zurück kann man im Wissen kaum fallen, außer man glaubt noch, die Erde sei eine Scheibe (aber daß das Universum "flach" wie eine Scheibe ist glaubt man schon), hatte Einstein doch ein nach rückwärts gewandtes mythisches Anliegen. Schon Leibniz hatte Newton und seiner Physik der Freiheit "Gottlosigkeit" vorgeworfen - was stimmt, denn sie kommt ja ohne externe Ursachen und auferlegte Gesetze aus - und versucht, ihn mit diesem hochnotpeinlichen Argument beim englischen Thronfolger (über dessen Gattin, einer hannoveranischen Prinzessin) anzuschwärzen, ist doch der englische König das Oberhaupt der anglikanischen Kirche. Aus dem selben Grund versuchte Einstein dann Newtons Physik "zu relativieren" und verstand seine eigene Theorie als den "Abglanz Gottes", um den es ihm ging. Als dann die Quantenphysik zur Quantenmechanik wurde, gab es für ihn dasselbe Problem: auch in ihr vermisste er Gottes steuernde Hände und er inszenierte die Suche nach den "versteckten Parametern" (das sogenannte "EPR-Problem"), die weder der Sache selbst, noch dem Zufall freien Raum lassen sollen. Zudem erfand er unzählige weitere Scheinprobleme, mit denen er Niels Bohr jahrelang traktierte, vor allem mit dem Glaubensbekenntnis, dass alles von Gott kommt und der nicht würfelt (warum er nicht würfelt, sagte er allerdings nicht).

Man muss dies einmal ganz nüchtern sehen und sich fragen: Sind wir hier in einer Sonntags- oder Koranschule? Kann diese radikale Abwendung vom aufklärerischen freiheitlichen Gedankengut auch die eigene Überzeugung sein? Ist dies nicht auch zugleich ein massiver Angriff auf die Idee der Selbstbestimmung und der Selbstverantwortung des Menschen? Hat dies im Grunde überhaupt noch mit Wissenschaft zu tun? Ist es nicht eher ein fundamentaler Angriff auf die Wissenschaftlichkeit der Physik, die hier für religiöse Überzeugungen missbraucht wird, auch wenn ihre Betreiber vielleicht sich nicht bewusst um Einsteins Motive kümmern, aber ihre Richtigkeit doch zu beweisen versuchen, um wiederum selbst keine Verantwortung für eigene Ideen übernehmen zu müssen? Ist das heute noch hinnehmbar?

Aber warum haben die Lehrstühle der Physik nicht schon längst selbst solche Fragen gestellt? Freilich, wenn der Lehrstuhlinhaber an Gott und seine "Kausalgesetze" glaubt, ist dies nicht zu erwarten, wobei ich nichts gegen den Gottesglauben des Lehrstuhlinhabers habe - das ist seine Privatsache. Aber das sollte sie auch bleiben, denn wir alle dürfen als Staatsbürger und Steuerzahler in einem demokratischen und pluralistischen Staat verlangen, dass Wissenschaft im öffentlichen Raum mit öffentlichen Geldern auch offen für alle alternativen Ansätze nach besten Wissen und Gewissen betrieben und gelehrt wird. Wo jedoch private Überzeugungen im Spiele sind, bleibt die Offenheit und mit ihr die Redlichkeit und die wissenschaftliche Wahrheit unweigerlich auf der Strecke. Und wo einzelne, schon fast "todesmutig" zu nennende Forscher (Zeilinger/ verschränkte Quanten, Nimtz/ Vielfach-Lichtgeschwindigkeit beim Tunneln - inzwischen unter massiven Druck umgefallen und jede Ergebenheitsadresse an Einstein unterschreibend) sich trotzdem nicht beirren lassen oder ließen, treffen sie auf eine geschlossene Front der Abwehr ihrer Kollegen, so dass letztlich das amerikanische Militär, dem Theorien egal sind, sich solcher Forschungen annimmt und die wahren Ergebnisse der Öffentlichkeit vorenthält. Während die USA, gemäß dem Motto "Wissen ist Macht", ihre wissenschaftliche und technologische Vormachtstellung mehr und mehr ausbauen, wühlt das "alte Europa" weiterhin in seinem geistigen Sumpf, seine selbstverordnete Ohnmacht und Ignoranz mit viel Geld pflegend, das dann natürlich für eine wirklich moderne, undoktrinäre und weltoffene Wissenschaft fehlt. Während im alten Europa im Grunde (wenn auch oft nicht bewusst) immer noch versucht wird mit Einstein zu zeigen, wie Gott die Welt regiert,* demonstrieren die USA längst wer die Welt regiert (oder doch regieren möchte). Konsequenterweise hat die NASA** jetzt ein Milliarden Dollar schweres 25-jähriges Forschungsprogramm aufgelegt, das "Beyond Einstein" (Jenseits Einstein, oder auch: Über Einstein hinaus) heißt. Aber hier, im zu Recht von Rumsfeld so genannten "alten Europa", das seine Kritik überhaupt nicht versteht, will man geistig verkrustet von der Zukunft noch immer nichts wissen und versucht weiterhin "zu beweisen", dass Einstein doch (entgegen Vernunft und Erfahrung) Recht hat. Das ist nicht der Untergang des Abendlandes, das ist in 2 Weltkriegen und etlichen furchtbaren Diktaturen bereits untergegangen, sondern ist das Abendland nach dem Untergang (s. (I/B17). Machen wir uns daher auf ein schlimmes Jahr 2005 - 100 Jahre RT, Einsteins 50. Todesjahr - gefasst. Aber auch 2004 kann ähnlich schlimm werden - Einsteins 125. Geburtstag. Leicht möglich, dass er uns wegen seiner RT bald als "Deutschlands größtes Genie" präsentiert wird (aber er wurde dann doch nur zum zehntgrößten gekürt). PISA lässt grüßen! Dabei Einstein: "Warum eigentlich schwätzen die Leute immer von meiner Relativitätstheorie? Ich habe doch noch andere brauchbare Sachen gemacht, vielleicht sogar noch bessere, aber davon nimmt das Publikum überhaupt keine Notiz."
*dazu passt das 2006 erschienene Buch von Gerhard Börner (MPI für Astrophysik Garching) SCHÖPFUNG OHNE SCHÖPFER?, in dem der Autor die scharfe Trennung zwischen Glauben und Wissen ablehnt, was der Chefredakteur der Hauszeitschrift der Max-Planck-Gesellschaft 2007 "eine klare Position" nennt und nach Protest von mir sie "sehr weise" und "Herrn Börners Meinung für vernünftig und aufgeklärt" findet. (in einer E-Mail) Ja, bei einer christlichen Bundeskanzlerin und einem bayerischen Papst kann man in München neben der Bayerischen Staatskanzlei wohl nicht mehr anders, während MPG-Präsident Hubert Markl 2001 in seiner Rede in Berlin noch mutig für die Freiheit des Nichtchristenmenschen stritt (s.III/8b). - Es ist zwar vernünftig die Grenzen der Wissenschaft zu sehen, doch muss man sich dann gleich in den Glauben flüchten? Ich denke es gehört zu Würde des Menschen, unbeantwortbare Fragen auszuhalten. Doch so würdig und weise wollen wohl viele nicht sein. Dabei sind sie das Opfer ihres rationalen Unbewussten, das immer nach abschließenden Antworten sucht. Und wenn es damit überfordert ist, es zu seiner Erleichterung Gott als Verursacher von allem akzeptiert. Eines eigenen Gottesgens, wie Neurologen schon mal gemutmaßt haben, bedarf es dazu nicht.
**s. http://universe.gsfc.nasa.gov


Warum sich die Dinge nicht selbst bestimmen dürfen
In einem seiner "Sokratesgedanken zur Nacht" bemerkte Norbert Heyse im Sokratesjahr 2002 sehr richtig: "Der Hang, Autoritäten zu folgen, ist an die Angst vor der eigenen Entscheidung gebunden." Es ist wohl keine einfache, sondern eine panische Angst, für sein Denken und Tun die Verantwortung übernehmen zu müssen, die Deterministen zur eigenen Entschuldigung krampfhaft bemüht sein lässt "zu beweisen" (EPR-Programm), dass eine Selbstbestimmung auch in der Natur nicht vorkommt. Und wenn die Natur eine solche Deutung nicht hergibt, kann man ja immer noch behaupten, dass die Selbstbestimmung nicht zum Plan Gottes gehört und er es auch verabscheut zu würfeln, also wenigstens den Zufall regieren zu lassen. Und Menschen, die solche Lehren wie "Die Philosophie und Physik der Raum-Zeit" blind verteidigen, indem sie sich auf angebliche "Beweise" von Physikern berufen, um auch hier keine Verantwortung übernehmen zu müssen, haben zumindest die panische Angst, für eine eigene Überzeugung gerade stehen zu müssen, weshalb sie lieber konformistisch abstrusen Parolen folgen, die durch das "Genie" ihres Verfassers gerechtfertigt wären, der sich aber selbst gern auf "Gottes Standpunkt" berief, um sich für seine Aussagen ebenfalls von der Verantwortung für sie frei zu halten, denn er wusste nicht, wo sie herkamen. Doch mit einer solch feigen Gesinnung kann man weder Probleme im Kleinen noch im Großen lösen. Wollen wir im "alten Europa" in der Physik da wirklich immer weiter und weiter machen, statt ernstliche Forschung zu betreiben, nur weil sich über die RT so vieldeutig wie unverbindlich "schwätzen" lässt und man dabei, in einem heiligen Schauer, etwas vom "Genie" ihres Autors auf sich herabrieseln fühlt? Muss sich die Hoffnung auf eine undoktrinäre Forschung wirklich auf das amerikanische Staatsinteresse richten, das aber nicht immer das weiseste ist?

Max v. Laue sagte 1942: "Eine nicht kausale Physik, ich meine eine, die grundsätzlich auf die Kausalität verzichtet, ist überhaupt keine Wissenschaft. Das ist meine heilige Überzeugung, und mag man mich auch tausendfach als Ketzer verschreien. Darin fühle ich mich einig mit Planck und Einstein." Das war wohl gegen den Zufall und gegen die Unschärfe der Quantenmechanik gerichtet, wie man am Ausdruck "Ketzer" erkennt. Dabei ist es völlig verfehlt, sich auf Einstein mit seinem notorisch falschen Gebrauch der Begriffe zu berufen, der das Wort "Kausalität" zwar gern im Munde führte, damit aber stets eine Fremdbestimmung durch ein (von Gott) auferlegtes "Gesetz" meinte, während es bei der Kausalität um jene Folgen geht, "Kräfte" genannt, die aus den Sachen selber kommen, von denen Einstein als Determinist aber überhaupt nichts wissen wollte. Kräfte waren Einstein nicht "zu metaphysisch" wie er mit Mach sagte, sondern in Wahrheit zu physisch! Will man jedoch Physiker sein, dann müssen die Dinge der Welt und ihre Kräfte im Mittelpunkt der Forschung stehen und nicht "Gottes Gedanken" und "Gottes Standpunkt", um was es Einstein immer ging, denn schließlich will man ja Physik betreiben und nicht Theologie, ganz abgesehen davon, dass man von Gott und damit auch von seinen Gedanken, selbst wenn es denn beides geben sollte, sowieso nichts wissen kann. Aber als Physiker sollte man wissen, dass die Quantenmechanik nie grundsätzlich auf die Kausalität verzichtet hat, sondern nur die Grenze des Wissbaren aufzeigt. Gegen diese Grenze anzukämpfen ist ebenso völlig verfehlt, so richtig ansonsten der 1. Satz in Max v. Laues Aussage ist, der gerade Einstein ad absurdum führt, auf den er sich im 3. beruft. Wenn es um Einstein geht ist eben immer alles gleich grundverkehrt, verkörpert er doch das größte Missverständnis der Physikgeschichte. Gerade Einsteins Spezielle Relativitätstheorie, die er "als Abglanz Gottes" empfand, ist eine absichtlich von Ursachen freie rein instrumentalistische Physik, anderenfalls müsste man ja annehmen, dass die Blicke von Beobachtern einschließlich der von Tieren die Ursache dafür sind, dass Uhren langsamer gehen, Räume sich dehnen und Massen zunehmen. Das wäre dann die Rache des verleumdeten Beobachters.


Jetzt endlich geklärt
im geistigen Niveau der Debatte:

Warum würfelt Gott nicht? Hat er keine Würfel?
Nein, aber er hat keine Hand frei, muss er doch die unvollkommene Welt lenken.

(Wenn man in nur 6 Tagen die ganze Welt erschafft, ist Pfusch unvermeidlich.)

Warum lacht Gott nicht? Ist er humorlos?
Nein, aber da er allwissend ist, kennt er auch schon alle Witze.

(Gerade aber beim Würfeln könnte es auch für ihn da noch Überraschungen geben.
Schade für ihn, dass er keine Hand frei hat.)

Als Autist wurde Einstein von allem Nichtberechenbaren in Panik versetzt, weshalb er zeitlebens gegen den Zufall in der Quantenmechanik wetterte. Daher lässt man ihn in dem Film von 1994 "I.Q. - Liebe ist relativ" mit jenem Humor sagen, mit dem er sein Problem überspielte (s. Einsteinkarrikatur gegen Ende der Seite "Autor/Aphorismen"):

"Das Dumme an den Zufällen ist, dass man sie so schwer vorhersagen kann."

© HILLE 2003/2008
letzte Nachträge 04.11.08
Nachträge zum Tode von Carl Friedrich von Weizsäcker s. ggf. dort


Rationalität contra Verwirrung
Der Satz des Aristoteles, dass eine Sache dann wirklich verstanden ist, wenn sie in ihrer Ursache verstanden ist, zeigt auf, dass das Gehirn ein rationales Organ ist, dessen Ursachendenken sich in der Evolution herausgebildet hat, weil es erfolgreich für das Überleben seiner Träger sorgte. Wollen wir verständige und damit überlebensfähige Wesen bleiben, können wir auf Rationalität nicht verzichten. Auch die Fortschritte in der abendländischen Wissenschaft sind Folge dieses Ursachendenkens. Erst der radikale Positivismus eines Ernst Machs, der sich statt auf die Vernunft auf den Augenschein verlassen wollte, dem Einstein mit seinem Relativismus folgte, obgleich es Relationen nur für einen Beobachter gibt, während die unbelebte Natur nichts von Relationen weiß, sorgte für Verwirrung des wissenschaftlichen Denkens verbunden mit geistigen Stillstand, der solange anhalten wird, wie Einstein den Wissenschaftlern, insbesondere natürlich den Physikern, weiterhin als Idol gilt, das nicht hinterfragt werden darf - wozu aber eben mehr als nur Physik gehört. Frei nach Lichtenberg: Wer nichts als Physik versteht, der versteht auch die nicht recht. Der Mensch wird als Genie geboren, das Kinder hartnäckig "warum?" fragen läst, nicht benutzte Kognitionsstränge im Hirn sterben schon im frühkindlichen Alter ab, Elternhaus, Schule und Kirche sorgen dann für seine Verdummung als ergebenes Schaf einer Herde, das Studium, insbesondere das der theoretischen Physik, beraubt ihn dann noch der letzten natürlichen Intelligenz und damit seiner Kritikfähigkeit überhaupt, weil sie ihm auch noch stolz Ursachendenken, Sachverstand, Vernunft und Weisheit und damit die von denen gesetzten Fixpunkte seines Verstehens verachten lassen, weil diese Tugenden zur verleugneten Rolle des Beobachters gehören. Die Relativierung der notwendig fixen Grundgrößen des Messens - Länge, Zeit (Maß der Dauer) und Menge - ist zusätzlich ein direkter Angriff auf die Grundlage der ganzen technischen Zivilisation und des Warenaustauschs und damit ein Verbrechen an der Menschheit, dass dieses auch noch bezahlt und bejubelt. Und indem dann der seiner Einsichtsfähigkeit beraubte verunsicherte Mensch, der sich wie Einstein nichteinmal mehr sicher ist, das zwei mal zwei vier ergibt, seine Denkungsart unkritisch munter auf die Dinge projiziert und dadurch glaubt, sie zu verstehen, weshalb er von dieser "erfolgreichen" Einsteinschen Methode der Selbstbespiegelung auch nicht lassen möchte, die eben autistisch selbstbezogen kein Gefühl für die Andersartigkeit der Anderen und des Anderen (des Unbelebten) hat. Einstein darob verwundert: "The most unintelligible thing about the world is that it is intelligible". Er wusste eben nicht, warum ihm die Welt so verständlich erschien. Und indem Einstein von Menschen kritiklos bewundert wird, machen sie sich sein fatales, die Wurzeln unseres Denkens zerstörendes Defizit zu eigen. Aber nur wenn der Mensch offen bleibt für die Andersartigkeit der Anderen und des Anderen lebt sein Geist und kann er sich entwickeln und die Zukunft des Planeten gestalten. Der in seinem Gesetz erstarrte Gott Einsteins, der keinen Zufall duldet, ist dagegen das Symbol des geistigen Stillstands von Ewigkeit zu Ewigkeit, dem seine Anhänger durch Repressionen aller Art Geltung zu verschaffen suchen, im Internet durch üble persönliche Verunglimpfungen der Kritiker der Relativitätstheorien durch anonyme Schmierfinken, die aus dem Dunklen heraus jeden vernünftigen Gedanken mitsamt dem Denker lächerlich zu machen versuchen - oft schlimmste Hetze auf unterstem Niveau und das angeblich im Namen der Wissenschaft! Ihrer Vernunft und ihres Anstandes gleichermaßen beraubt sind diese Leute, wie ich inzwischen selbst erleben musste, als ein Produkt des kritiklosen Einsteinkultes für mich einfach nur krank. Dabei belegen sie auf drastische Weise die Hilflosigkeit der von ihnen vertretenen Sache gegenüber ernsthaften Argumenten, ohne das in ihrem Tunnelblick zu bemerken.
      Einerseits folgte Einstein Machs Positivismus und schuf eine ursachenfreie deskriptive Physik, sie auf einen Stand vor Newton zurückwerfend, andererseits wollte er zugleich völlig unpositivistisch immer hinter die Dinge sehen und Gottes Gedanken denken. Zudem wollte er wissen, was Quanten zwischen zwei Beobachtungen machen u.ä. Unerforschbares mehr und glaubte ferner, dass Dinge auch da und dasselbe sind, wenn sie nicht beobachtet werden, obgleich alles Beobachtete schon die Interpretation eines Beobachters ist. Wegen seiner Betriebsblindheit mangelte es ihm an selbstkritischer Einstellung. So nimmt sich jeder seiner Anhänger, ob Theologe oder Atheist, eben das von Einsteins gespaltener Persönlichkeit, was seiner eigenen ihm plausiblen Überzeugung entspricht, was die allgemeine Verwirrung natürlich noch mehr vergrößert, der nur durch die Rückbesinnung auf das, was menschliches Verstehen ausmacht, abgeholfen werden kann. Diese not-wendige Rückbesinnung ist der Inhalt meiner hier vorliegenden Seiten.
Text von 2010



Newton contra Einstein = Zustand contra Lage = Sein contra Schein

Es geht um den Widerstreit zweier Sichtweisen, der durch die besseren Argumente entschieden wird.

Newtons 1.Axiom lautet: "Jeder Körper verharrt in seinem Zustand der Ruhe oder der gleichförmig-geradlinigen Bewegung, sofern er nicht durch eingedrückte Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird." Newton geht es also um den Zustand von physikalischen Objekten (kraftfrei oder in bestimmter Wechselwirkung), zu dessen Änderung es einer Kraft bedarf. "Kraft" ist der Name des einen Zustand Ändernden, ohne dass die Ursache der Änderung bekannt sein muss. Der Zustand ist dabei unabhängig davon, ob der Beobachter Körper in Ruhe oder Bewegung sieht, wie es gleich eingangs heißt, da es sich bei beiden Begriffen um Lageurteile handelt, die sich erst ergeben, wenn der Beobachter Körper zu zweckmäßig gewählten Orten in Beziehung setzt, die also beobachterabhängig sind (Relativität der Bewegung!). Deshalb bringt Newton mit Hilfe seiner Mathematik die Bewegungsgröße v auch zum Verschwinden und befasst sich in seiner Dynamik nur mit der Änderung der Bewegungsgröße, der Beschleunigung, weil sie das Zeichen einer objektiv einwirkenden, also realen Kraft ist. So ist es nicht verwunderlich, dass es das Newtonmeter als unverzichtbare Kraftgröße gibt.

Einstein, der Mach folgend von Ursachen und Kräften nichts wissen wollte, dafür auf den Augenschein setzte, orientierte sich in der Speziellen Relativitätstheorie gerade aber an der Lage von Körpern oder Systemen, die Newton mit Recht als subjektiv ("nur dem Standpunkt nach") erkannt hatte. Obgleich Einstein zuerst in seiner Schrift von 1905 "Zur Elektrodynamik bewegter Körper"* Newton konform die "Vermutung" aussprach, "dass dem Begriffe der absoluten Ruhe (absolut = den Körpern objektiv selbst zukommend) nicht nur in der Mechanik, sondern auch in der Elektrodynamik keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen,…" - eine "Vermutung", die er zugleich für "erwiesen" erhielt(!) -, argumentierte er in den nachfolgenden Kapiteln als Ersatz für den verfemten Begriff der Kraft trotzdem gerade mit dem der Ruhe, dem es bei unbelebten Körpern jedoch an der Verifizierbarkeit fehlt, haben sie doch weder (gerade ruhende) Bewegungsorgane, noch kennen sie eine innere (seelische) Ruhe. Es ist da von "ruhenden Systemen", "ruhenden Uhren", "ruhenden Koordinatensystemen", von einem "ruhenden starren Stab" und einen "ruhenden Maßstab" und sogar von einem "ruhenden Raum" die Rede (der wohl gerade entspannt ein Nickerchen machte), obgleich dem Ruhen, wie von Einstein zuerst richtig gesehen, "keine (physikalischen) Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen." Deshalb sind sowohl der unbeschleunigt reisende als auch der daheimgebliebene unbeschleunigte Zwilling im physikalisch gleichen Zustand, nämlich in dem des Verharrens, was auch die auch von Einstein anerkannte Gleichberechtigung der Inertialsysteme besagt, die eine Relativität derselben ausschließt. Und das Relativieren von etwas, was schon naturgemäß relativ ist, wie die Bewegung, macht sowieso keinen Sinn. - *Eine "Dynamik" ohne Ursachen und Kräfte (absurd!) - hier stimmt doch bereits der Titel nicht! Und "bewegt" ist kein objektives physikalisches Merkmal! Die Theorie ist nichteinmal falsch, sondern physikalisch gegenstandslos.

Es ist also ein grobes Missverständnis oder eine Lüge, die Newtonsche Dynamik als eine Randerscheinung von Einsteins Auffassung von Mechanik zu bezeichnen. Beide Autoren haben außer einigen Begriffen, die aber durchaus verschieden verstanden sein können, (s. z.B. zum Begriff "kausal" oben bei Max v. Laue 1942) nichts miteinander gemeinsam. Während es sich bei Newton durch Eliminierung der beobachterabhängigen Größe v um Physik und damit um Wissenschaft handelt, argumentiert Einstein in einer metaphorischen Sprache gerade mit dem Augenschein von Ruhe und Bewegung, der in der Physik keine objektive Entsprechung hat, wie er es ja zuerst auch selbst richtig sah und wie Newtons 1. Axiom es besagt. Bei Einsteins Relativitätstheorie handelt es sich um ein sprachliches Konstrukt, das sowohl wegen des fehlenden realen Bezugs, als auch wegen seiner inneren Widersprüche wie eine Legende weder bewiesen noch widerlegt werden kann (s. (I/B15). Für jeden denkenden Menschen erledigt sich die Theorie infolge ihrer Substanzlosigkeit von selbst. Es kann aber auch ewig über sie gestritten werden, solange man sich keine Mühe gibt, sachlich zutreffend zu sprechen, was sowohl Sprachdisziplin als auch Sachverstand erfordert, den ich in der offiziellen Physik jedoch nirgends gefordert sehe. Im Gegenteil. Der Physiker Erhard Scheibe hat in seinem Buch von 2006 "Die Philosophie der Physiker" festgestellt, dass es in der "modern" sein wollenden Physik im Geiste Machs schicklich geworden ist, über die Kausalität (kausal = ur-sächlich, durch die Sache selbst bedingt, die zu verstehen eben Sachverstand erfordert) die Nase zu rümpfen und so zu tun, als käme sie in ihr nicht mehr vor. Relativisten genügt es, etwas berechnen zu können, ohne es auch noch verstehen zu müssen (die von Ernst Mach propagandierte Denkökonomie = sparsamster Hirngebrauch!). Dazu schon der Physiker Wilhelm Müller (1880-1968), ehemals Professor in München und Nachfolger von Arnold Sommerfeld: "Die Rücksichtnahme auf die wahre Natur der Dinge hört in der Relativitätstheorie vollkommen auf. Der mathematische Formalismus pfuscht geradezu über alle Qualitätsgrenzen skrupellos hinweg und verwandelt das wirkliche Problem in ein Scheinproblem, das mit physikalischen Fragen überhaupt nichts zu tun hat." "Wie die meisten Einsteinkritiker hatte ich früh erkannt, daß den relativistischen Schreibtischtheoretikern die physikalische Wirklichkeit völlig fremd ist." (Gotthard Barth)

Dieser Text ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Einsteins Thesen unter jedem Gesichtspunkt irrig sind.
Wie Einstein selbst seine Zweifel hatte, dass seine Thesen Bestand haben, s. in (I/B8a) "Einsteins Selbsteinschätzung". (eigener Link)
Wie sehr die Quantenphysik geeignet ist, Einsteinsches Gedankengut abzulösen s. auf (I/B5) die Notiz "Gravitation und Quantenphysik".


Porträt der "ruhenden Erde"
Gedicht "Abendlied" dazu s. (I/B2)
Erde nach dem Lesen von Einsteins Theorie - Zeichnung P. Hille
Erde nach dem Lesen von Einsteins Theorie - Zeichnung P. Hille
Die Ruhe ist der Erde heilig,
nur Kometen haben's eilig.

Geheimnisvoller Kosmos
Eine Frage bewegt mich:
Fliehen uns die Galaxien erst seit Einsteins Relativitätstheorien hier als höchste Weisheit gelten oder taten sie das schon immer?

© HILLE 2008-2016

zurück                  weiter zum Seitenanfang