Prolog im Himmel


Max Born 1882-1970 Physiker Born: "Damit ist die Rückkehr zu des PTOLEMÄUS Standpunkt der 'ruhenden Erde' ins Belieben gestellt." "Daher haben von EINSTEINS Standpunkt gesehen PTOLEMÄUS und KOPERNIKUS gleiches Recht. Welchen Ausgangspunkt man wählt, ist Sache der Bequemlichkeit." "Ein Gravitationsfeld ist an sich weder 'real' noch 'fiktiv'. Es hat überhaupt keine von der Koordinatenwahl unabhängige Bedeutung, genau wie die Länge eines Stabes."
Max Born, Die Relativitätstheorie Einsteins, 1984, Springer-Verlag, S.296 (Großschreibung u. Betonung im Original)


Galileo Galilei 1564-1642 Physiker Galilei: Mein lieber Born! Mir scheint in einer gewissen Sparte der heutigen Physik legt man sich im Machbarkeitswahn mit Hilfe der Kinematik die Dinge so zurecht, wie man sie braucht, um seine, an der Wirklichkeit - dem Buch der Natur - gescheiterten Überzeugungen, aufrecht erhalten zu können. Habe ich denn ganz umsonst für die Wahrheit und das kopernikanische System gestritten und gelitten? Selbst der Papst ist inzwischen fortschrittlicher als ihre Relativisten und hat das kopernikanische System akzeptiert, das Sie hier als eine "Sache der Bequemlichkeit" abwerten, die "ins Belieben gestellt" wäre. So kann von jeder Raumsonde außerhalb der Erdbahn zweifelsfrei beurteilt werden, ob die Erde sich um ihre Achse dreht und eine Bahn um die Sonne zieht, genau wie auf der Tagseite der Erde am 8. Juni 2004 der Planet Venus bei klarem Himmel über 6 Stunden lang bei seinem Transit über die Sonnenscheibe beobachtet werden konnte. Und wenn jemanden ein Dachziegel auf den Kopf fällt oder er aus dem Fenster stürzt, dann erweist sich ihm, wie real das Gravitationsfeld und die Länge eines Fallweges ist. An seiner Beule oder gar seinem Tod war bestimmt nicht seine falsche Koordinatenwahl schuld. Die Wirklichkeit ist keine Ermessensfrage sondern das, was sich uns erweist, weshalb wir sie respektieren müssen, wozu wir sie ja zu erforschen versuchen! Mit dem Schicksal läßt sich nicht handeln und verdrängen läßt es sich schon gar nicht, wollen wir das Leben und die Wissenschaft meistern. Daß ich das heute nicht mehr einem Kirchenmann sondern einem Physiker, noch dazu einem Nobelpreisträger sagen muß, stimmt mich besonders traurig. Das läßt mich fragen, haben Sie den Preis wirklich verdient?
*s. L9 "Venus vor Sonne" (Junitext)

Abgesehen davon, daß keine physikalische Ursache bekannt ist, warum sich das Universum täglich um die Erde drehen sollte, während der Umlauf der Erde und der anderen Planeten um die Sonne mit der Schwerkraft der Sonnenmaterie leicht erklärt werden kann, müßten schon die äußersten Planeten unseres Sonnensystems mit Überlichtgeschwindigkeit unterwegs sein, um die Erde einmal pro Tag umrunden zu können, was ja lt. Einstein unmöglich sein soll. Hier weiß immer die linke Hand nicht, was die rechte tut. Der Grund dafür ist, daß es durch Aufgabe des Kraftbegriffs bei einer kinematischen und instrumentalistischen Betrachtung keine in der Sache liegenden Kriterien gibt - im Gegensatz zur Dynamik - weshalb nur für den Kinematiker alles "ins Belieben gestellt" ist - mal so, mal anders, wie er es gerade braucht -, wobei die Physik in ihrem Verständnis mechanischer Phänomene und was Wissenschaft ausmacht hinter Galilei und Newton zurückfällt oder um mit Matthias Claudius zu sprechen: "Und kommen (durch Luftgespinste und viele Künste) weiter von dem Ziel". Der eigentliche Fehler dabei ist, daß man trotzdem glaubt, Sachaussagen tätigen zu können, z.B. über die Masse, obwohl sie eine rein dynamische Größe ist! Mit diesem Problem der Nichtbeachtung der Prämissen von Urteilen befaßt sich der nachfolgende Beitrag auf I/B3 der beiden Physiker Georg Galeczki und Peter Marquardt. Zuerst aber ein Blick in die erheiternde relativistische Welt, die es für legitim hält, positivistisch nach Mach gemäß dem Augenschein zu sagen, daß der Schwanz mit dem Hund wedelt, weil Sachverstand, Kausal- und Vernunftargumente nichts mehr gelten dürfen. Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht - d.h. man trotz des vorgetragenen Irrsinns seine Vernunft rettet.


Gute Nacht! Die Erde ruht wieder!

Erde nach der Lektüre der SRT
Zeichnung: Peter Hille


Abendlied
von und nach Matthias Claudius

Der Mond ist aufgehangen,
Die goldnen Sternlein prangen
   Am Himmel hell und klar;
Die Erde ruht und schweiget,
Weil sie nicht mehr steiget
   Auf ihrer Bahn das ganze Jahr.
Vorbei ist all die Mühe
Von spät bis in der Frühe
   Am Himmel hell und klar;
Sie muß sich nicht mehr drehen,   
Nicht um die Sonne gehen,
   Das ist nun nicht mehr wahr.
Wir können nach Belieben
Erd' oder Sonne schieben,
   Das ist nun relativ;
Die Raum-Zeit ward geboren,
Flieh- und Schwerkraft sind verloren,
   Realität hängt schief.
*
Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
   Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
   Weil unsre Augen sie nicht seh'n.

  
Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
   Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
   Und kommen weiter von dem Ziel.

  
So legt euch denn, ihr Brüder,
Gleich mit der Erde nieder;
   Kalt ist der Abendhauch.
Wer fragt, den soll man strafen,
Damit wir ruhig schlafen!
   Das ist hier so der Brauch.

  

*Im Weltverständnis des totalitären Denkens darf nicht eine Vielheit von Kräften und Dingen ursächlich sein, sondern nur eine einzige Ur-Sache (Gott), welche die Welt lenkt. In einer solchen Sicht sind Körper dann auch nicht von sich aus träge, sondern bekämen ihre Trägheit "von den fernen Fixsternmassen" verliehen (machsches Prinzip). Das ist ein Rückfall in ein vorwissenschaftliches Denken, das nichts von immanenten Ursachen wußte und daher alles mythisch durch das Wirken transzendenter Mächte zu erklären versucht. Bei einer solchen Weltsicht ist es nicht verwunderlich, daß ihren Anhängern das rechte Verständnis kausaler Vorgänge nicht gelingen will und sie daher auf die mathematischen Manipulationen der SRT angewiesen sind. Wie diese Ersatzphysik den wissenschaftlichen Diskurs lähmt, zeigt der nachfolgende Gastbeitrag.


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