Helmut Hille

Das Bewußtsein des Seins

Letzte Gedanken


Mein Vermächtnis


"Heute habe ich alle Bedrängnis von mir abgeschüttelt,
richtiger: ich habe sie hinter mir gelassen.
Denn sie lag nicht außerhalb von mir,
sondern in mir, in meinen Gedanken."
Marc Aurel, römischer Kaiser und Stoiker (121-180)


Foto H. Hille
Heilbronn: Blick vom Wartberg auf den Galgenberg

Als junger Mann las ich nicht nur Texte großer Philosophen, sondern hielt ich es auch für möglich, daß die Evolution eines Tages vielleicht Lebensformen mehr geistiger Art hervorbringen könnte. Andererseits gibt es ja schon lange den Glauben, daß Verstorbene als reine Geistwesen weiterexistieren, ja daß materielle Erscheinungen bloße Manifestationen "ätherischer" Wesen oder eines Weltgeistes sind. So "wagt" selbst Hoimar v. Ditfurth, der große Erklärer der Evolution, in seinem Buch Der Geist fiel nicht vom Himmel - Die Evolution unseres Bewußtseins ganz am Schluß "noch eine letzte Vermutung", die wieder alles das desavouiert, was er vorher auf über 300 Seiten aus seinem reichen Wissen entwickelt hat, was sich für mich aber schon in der Einleitung angekündigt hatte: "Geist gibt es in der Welt nicht deshalb, weil wir ein Gehirn haben. Die Evolution hat vielmehr unser Gehirn und unser Bewußtsein allein deshalb hervorbringen können, weil ihr die reale Existenz dessen, was wir mit dem Wort Geist meinen, die Möglichkeit gegeben hat, in unseren Kopf ein Organ entstehen zu lassen, das über die Fähigkeit verfügt, die materielle mit dieser geistigen Dimension zu verknüpfen." (s. Text III/4) Der Geist fiel also in v. Dithfurths Überzeugung deshalb nicht vom Himmel, weil er immer schon da war und sich der Evolution nur bediente, um Erscheinen zu können, was doch sehr an Hegels Absoluten Geist erinnert. Eine solche Spekulation meinte ich nicht, die zeigt, daß v. Dithfurth das Wesen der Evolution als einen selbstschöpferischen Prozeß eigentlich überhaupt nicht verstanden hatte. Ich dachte an eine Fortentwicklung des Lebens zu einer mehr geistigen Ebene und keine bloße Auswicklung von etwas immer schon Vorhandenen. So wie mir gelehrt wurde, daß das Leben vor Milliarden von Jahren mit ganz einfachen Formen, die es ja zum Teil heute noch gibt, rein biologisch begann und ich erlebte, daß mein Geist durch Reifung und Schulung wächst, so wollte ich nur nicht ausgeschlossen wissen, daß der heutige Mensch in seiner Unzulänglichkeit nicht das letzte Wort einer immerwährenden Schöpfung ist. Schon in meiner Jugend wollte ich also die Perspektive offen halten.

Foto H. Hille
Licht über dem Stromberg

Als Mensch lebt man in mehreren Wirklichkeiten: einer physikalischen, chemischen, biologischen, geistigen und sozialen. Das heißt aber auch, wenn es diese Wirklichkeiten mit ihren je eigenen Regeln gibt, dann muß ihnen etwas zugrunde liegen, daß einerseits alle diese Möglichkeiten erlaubt, andererseits sich selbst in keiner von ihnen erschöpft. So beliebte reduktionistische Aussagen wie "alles ist Materie", "alles ist Leben" oder "alles ist Geist" halte ich daher für falsch, schon weil sie nicht unserer Lebenserfahrung entsprechen. Ich sehe sie als Hilflosigkeiten an, mit denen die Einheit allen Seins ausgedrückt werden soll. Aber diese Einheit kann eben nichts von allem sein, was man kennt, d.h. sie ist transzendent. Ich sehe nur die Möglichkeit, mein Bewußtsein hier und heute so zu erweitern, mein Ego so zu entgrenzen, daß ich mich als Teil jener schöpferischen Kraft erkenne und fühle, die immer existiert und die unerkannt in allen Dingen wirkt und die selbst alle diese Dinge ist und zugleich nicht ist. Transzendentes läßt sich nur in scheinbaren Paradoxien und Gleichnissen beschreiben, weil es eben alle unsere Begriffe übersteigt. Aber daß alles EIN Sein ist und ich, als Mensch, das Bewußtsein des Seins bin, das kann ich schon erkennen. Und dieser Idee nachzugehen, ihre Konsequenzen aufzuspüren und nicht umzukehren gibt meinem Restleben Sinn. Aber müßte diese Sinngebung geistigen Lebens letztlich nicht auch das Ziel aller Philosophie und Religion sein? Und daher denke ich, daß ich mit meinem Tode nicht aus dem Sein herausfallen werde, sondern nur zu all den Sternen zurückkehre, die zu mir gehören, in eine Wirklichkeit, die größer ist als alles, was ich kenne - zurücklassend all die Liebe, die ich erfahren und geben durfte, als ein Gleichnis der Liebe, die da ewig ist. Und mein kleines Ich wird in dem unendlich Großen aufgehen, wie es Brahmanen und Buddhisten ja schon lange lehren, während Christen dieses Aufgehen in der tätigen Nächstenliebe suchen - wenn sie denn wahre Christen sind. Das Nirwana ist jedoch nicht das reine Nichts sondern nur nichts von allen, was wir kennen und auszudrücken vermögen. Das wird dann die Erlösung von meiner Sünde der Absonderung sein, die mit meiner Zeugung, der Erbsünde, begann.* Goethe beschrieb diesen Aufstieg in seinem West-Östlichen Divan im Buch des Paradieses, auf dem Weg durch dieses so:


HÖHERES UND HÖCHSTES

Daß wir solche Dinge lehren
Möge man uns nicht bestrafen;
Wie das alles zu erklären,
Dürft ihr euer Tiefstes fragen.
.....

Und nun dring' ich aller Orten
Leichter durch die ew'gen Kreise
Die durchdrungen sind vom Worte
Gottes rein-lebend'ger Weise.


Ungehemmt mit heißem Triebe
Läßt sich da kein Ende finden,
Bis im Anschaun ew'ger Liebe
Wir verschweben, wir verschwinden.

Federzeichnung von Franz Stassen: Illustration der Schlußszene von Faust II
Fotos von Helmut Hille: Herbstimpressionen Heilbronn 2000


Man kann dies aber auch so sehen,
wie es Dietrich Bonhoeffer ausgedrückt hat:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz bestimmt an jedem neuen Tag.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang der Welt,
die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.


*Hierzu Anaximander aus Milet (um 611 - 545),
im ältesten überlieferten Satz der griechischen Philosophie:

Woher die Dinge ihre Entstehung haben,
dahin müssen sie auch zugrunde gehen,
nach der Notwendigkeit;
denn sie müssen Buße zahlen
und für ihre Ungerechtigkeit gerichtet werden,
gemäß der Ordnung der Zeit.


Gedenken an Freunde
"Niemand geht so ganz"
"Wenn ihr mich sucht, sucht mich in euren Herzen. Wenn ihr mich dort findet, bin ich nicht verloren." (Wolfi +01.02.2011)
"Du bist von uns gegangen, aber in unseren Herzen lebst Du weiter." (Wolfi an Rosi +20.07.2003)
Aber seit diesem Tag war er ein Verlorener.
Beide, wie alle Lieben, aber leben in meine Herzen weiter - bis zur Stunde meines Todes.

Mein Vermächtnis

Der Frage, die sich in diesem Zusammenhang auch stellt, welchem Ergebnis meiner Überlegungen ich ein Weiterwirken über meine Zeit hinaus am meisten wünsche, bin ich im übernächsten Abschnitt nachgegangen. Zum Teil sehr persönliche Erlebnisse von Gefährdung und Tod habe ich auf L4 in dem Bericht über "Eine Begegnung der dritten Art" festgehalten, aber auch im dort vorangehenden Bericht über Tote, die Heilbronn nicht vergessen kann. Es sind Text- und Bildreportagen, die zum literarischen Teil der Homepage gehören, den ich als eine Abrundung der vielfältigen Texte zur Wissenschaft, Philosophie und Ethik verstehe und die alle zusammen mit Navigation und Gestaltung samt den eigenen Fotos für mich eine Art Gesamtkunstwerk bilden, zu dem auch andere Autoren wichtige Beiträge geleistet haben - s. das Verzeichnis der Gastautoren und ihrer Beiträge. Für Schreib-, Navigations- u.ä. Fehler bin ich allerdings nur allein verantwortlich. Zu diesem Gesamtkunstwerk gehört auch die "kleine" Homepage ZEIT UND SEIN (www.helmut-hille-philosophie.de) mit ihren kurz und bündig, d.h. in Versform geschriebenen Lehrgedichten, den Bildern und kurzen Gedichten zum Thema ABSCHIED und meine Referate von 2005 bis 2009, die alle Extrakte meiner Gedanken sind. Hinzugekommen sind im Juni 2013 die Jahrgangsarchive von über 100, meist eigens verfassten Philosophischen Sentenzen auf einer Website für Museumsrepliken, auch um sie beim nächsten Update auf dem Archivserver der Deutschen National Bibliothek auf Dauer sichern zu können.

Zu der Frage nach weiterführenden Schriften zu einzelnen Themen kann ich nur auf mein "Verzeichnis der Buchbesprechungen und Buchhinweise" am Anfang der Spezialverzeichnisse in "alle dt. Texttitel" verweisen. Vielleicht gibt es zu einzelnen Problemen irgendwo Besseres und Ausführlicheres zu lesen, was mir jedoch nicht bekannt ist. Soweit entscheidende Aussagen von mir neu sind, werden Sie m.E. noch lange Zeit das Äußerste bleiben, was man aufgrund gesicherten Wissensstandes soliderweise sagen kann. Insofern ich mit Vordenkern übereinstimme, insbesondere mit denen der Achsenzeit oder mit Meister Eckhart, geht es um für mich zeitlose Wahrheiten, die ich in Erinnerung gerufen und ggf. neu begründet habe.

Die Frage, was ich selbst für das wichtigste Ergebnis meiner Überlegungen zu Wissenschaft und Philosophie halte, ist bei der Fülle grundsätzlicher Aussagen nicht einfach zu beantworten. Jeder Leser wird den Schwerpunkt, gemäß seinem geistigen Horizont und seinen Interessen, woanders sehen. Ich denke, daß nicht ganz zufällig meine drei Parmenides-Texte (II/5, 5a und 5b) in der Mitte der Philosophieseiten stehen, von der aus sie in alle Teile der Homepage strahlen. "Parmenides im Klartext" (5a), die Entschlüsselung der allegorischen Einleitungs seines Lehrgedichts, eingerahmt von der Parmenidesinterpretation (5) und dem Gesamttext seines Lehrgedichts (5b), ist als der entschlüsselte Schlüssel die Mitte der Mitte, auch wenn dies wegen neuerer Texte rein nummerisch inzwischen nicht mehr ganz der Fall ist. Die Philosophietexte selbst wiederum sind umgeben von den vorausgehenden Texten zur Physik und Kosmologie und den nachfolgenden Texten zur Biologie, Evolution und Ethik. Das Ganze steht zwischen den Eröffnungsseiten "Prolog" und "Meta-Einführung" und dem Abschluß mit "Autor" und dem "Glossar", wo möglichst jede deutschsprachige Textdatei mit mindestens einer Definition vertreten ist. Diese Architektur hat sich ganz natürlich ergeben. Wenn "Parmenides im Klartext", zusammen mit den beiden anderen Parmenides-Texten, sich weiter verbreitet und mich als "Ein Stück immerwährende Philosophie" überlebt (nicht nur, aber immerhin als Link auf einer Seite für Griechischlehrer und auf einer Linksammlung zum Thema "Griechenland" - s. "Feedbacks/Links" im Menü), dann will ich zufrieden sein, auch wenn ich denke, daß alle oder doch zumindest die meisten Texte eine gute Resonanz verdienen. Aber welcher Autor meint das nicht von seinen Kindern.

Am meisten würde es mich natürlich freuen, weil das ja das Ziel meiner Aufklärungsarbeit ist, durch Klärung der Begriffe etwas zur Hebung der allgemeinen Bildung und Weisheit beizutragen, worunter ich weniger Aberglaube und Glaube, dafür mehr Wissen und Verständnis verstehe: daß die Menschen in Zukunft z.B. die Zeit nicht mehr für eine manipulierbare Sache halten, sondern wissen, daß sie ein Maß der Dauer ist, daß sie den sog. "Urknall" (besser BigBang) nicht als eine "Entstehung aus dem Nichts" sondern als das Durchgangsstadium einer großen Materiemenge verstehen und sie begreifen, daß Information etwas ist, was nicht im Netz oder in der freien Natur zur allgemeinen Verfügung umherschwirrt, sondern erst im Kopf des Menschen durch die Interpretation von Daten als eine neue Schöpfung entsteht. Und neben der kulturellen Tradition sorgt die Sprachregelung in den Medien und in den Schulen der Wissenschaft dafür, daß diese Hervorbringung einen den herrschenden gesellschaftlichen Kräfte genehmen oder zumindest neutralen Inhalt bekommt. Was unsere Sinne aufnehmen sind nur Daten, weshalb man ursprünglich auch ganz richtig von "Datenverarbeitung" sprach, bevor die unkritische Ideologie des Objektivismus sich über die "Informations-Gesellschaft" ergoß. Die "Meta-Einführung der mir wichtigsten Themen" - s. Menü links, 1. Block - sei dem eine Gesamtsicht suchenden Leser besonders empfohlen. -

Von meinen vielen grundsätzlichen Beiträgen zur Physik halte ich die Wiederbelebung der Axiomatik einschließlich der Neuformulierung der Newtonschen Axiome, die Forderung nach einem Realprinzip (Datei I/A4), meine Darlegungen zum Messbegriff (Datei I/A6 und A7) und zur Emergenz, die der Kausalität Grenzen setzt (Datei I/A9), die Aufklärung des ganzen Einsteinkomplexes und den Vorschlag, die Relativitätstheorie durch eine konsequent angewendete Quantenphysik abzulösen (Datei I/B5) für besonders weitreichend und wichtig. Der Kern des Vorschlags ist, die Verschränkung von Materie als eine allgemeine Eigenschaft von ihr anzusehen, wobei der BigBang als die gemeinsame Emission aller Materie sich als besonders geeignet zeigt, die Existenz der Schwerkraft als ein Verschränkungsphänomen zu erklären. Das ist m.E. das einzige zwangslose Verständnis von Gravitation. So wie Newton um 1680 die Gemeinsamkeiten zwischen einem fallenden Apfel und dem Kreisen der Planeten erkannte, so wie Faraday um 1830 durch Entdeckung des Elektromagnetismus Elektrizität und Magnetismus zusammenführte, so wird es Zeit Schwerkraft und Verschränkung in Einem zu sehen. Und die durch die Expansion des Kosmos sich ergebende fortlaufende Verdünnung der Schwerefelder im intergalaktischen Raum macht die zunehmende Beschleunigung der Expansion verständlich. Zudem sollte man unseren Kosmos als einen von vielen ansehen, die zusammen erst das Universum bilden, das ohne Grenzen in Zeit und Raum ist. Und ebenso grenzenlos, frei von blockierenden Vorurteilen, sollte unser Denken sein.

Im jahrelangen Ringen um Klarheit der Begriffe und Gedanken habe ich jedoch nicht nur einen Zugang zu Parmenides gefunden und aufgezeigt, sondern auch zu Meister Eckhart, Newton, Einstein und Mitterer und vielleicht sogar auch zu Gadamer, die alle so wenig verstanden wurden und werden. Letztlich ist daraus eine Theorie des Verstehens geworden, als Brücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaft, in deren Licht auch der angebliche Gegensatz von Wissenschaft und christlicher Schöpfungslehre entfällt und ebenso der von Physik und Metaphysik. Aber auch der von Sein und Zeit: Beharren im Sein und zugleich in der Zeit zu evolvieren sind nur die zwei Seiten einer einzigen Medaille, weshalb Parmenides und Heraklit gleichermaßen im Recht sind. Und wie auf diese Weise die die abendländischen Kultur prägenden Gegensätze sich als Missverständnisse des antagonistischen Denkens zeigen, könnte meine Klärung der Beobachterrolle als Basis einer zukünftigen Gesamtwissenschaft dienen, in der man dank einer rationalen Axiomatik weiß, warum man etwas weiß, wodurch man geistig Herr im eigenen Hause wird. Aber es ging mir immer auch darum, die Spaltung der Persönlichkeit in Bewusstsein und Unbewusstes zu überwinden. Als Definition des Bewusstseins ist mir am 4. April 2014 in einer E-Mail spontan die Formulierung des Bewusstseins als "ein Korrektivorgan des Unbewussten" eingefallen, dass Gelegenheit gibt, Urteile und Entscheidungen des Unbewussten zu überprüfen und ggf. zu korrigieren. Bewusstsein und Unbewusstes sind eines und wir sind es selbst (s. im Glossar die Definition von "Bewusstsein" mit Quellenangabe). Verborgen blieb mir auch nicht der Untergang der abendländischen Denkkultur und der anhaltende verdeckte Kulturkampf "im Namen der Wissenschaft" gegen sämtliche Werte und Setzungen des menschlichen Geistes, der uns alle betrifft und den niemand hinnehmen sollte, will er nicht sein Menschsein verlieren.

Doch da ist neben Parmenides noch jemand, dessen Spur in allen Teilen der WEGE DES DENKENS zu finden ist: Laotse, ein in China lebender Zeitgenosse des Parmenides in der Achsenzeit (nach Jaspers), in der menschliches Verstehen sich selbst zum Gegenstand wurde, wodurch die Weisheit einen Sprung nach vorne machte. Immer wenn ich zu äußerster Klarheit gekommen bin, fügt sich ein Ausspruch von ihm ganz zwanglos an oder ich formuliere unwillkürlich gleich selbst in seinem Stil. Die bereits auf der Startseite stehenden "Felder des Denkens" dürften in Inhalt und Form ganz in seinem Sinne sein. Meine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Denken der Physiker zeigt, daß sie in ihrer Mehrheit selbstkritische Überlegungen immer noch trotzig ablehnen, auch da, wo sie ihnen hilfreich waren, wie bei der Begründung der Quantenmechanik, statt endlich die Chance zu mehr Objektivität ergreifen zu wollen. So hat die Weisheit der Achsenzeit mit ihrem "Erkenne dich selbst!" es in der "harten" Wissenschaft immer noch schwer, wird doch eine eigenständige Rolle des Geistigen - die es eben erforderlich macht, Sein und Schein zu unterscheiden - von ihr grundsätzlich geleugnet (s. aber Hans Reichenbach in Text II/10 "Die Subjektivität meistern"). Dazu hier ein zeitlos gültiger Kommentar Laotses, sein "dreiunddreißigster Spruch" (nach Carl Dallago):

Andere erkennen ist klug,
sich selber erkennen ist weise;
Andere lenken ist Macht,
sich selber lenken ist Erleuchtung;
Sich selber durchdringen ist Kraft,
sich selber aufgeben ist Reichtum;
Nichts Zeitliches festhalten ist Ewigkeit,
nicht vergehen mit dem Tode ist Unsterblichkeit.

Im Gegensatz zum spirituell aufgeschlosseneren Fernen Osten ist dem Westen Weisheit leider kein Ideal, weswegen hier so wenig nach ihr gestrebt wird. F.M. Fellmann beschreibt in seinem wunderbaren weisen Büchlein von 1947 (Dünen Verlag, Bremen), als man im Nachkriegsdeutschland noch auf eine geistige Wende hoffte, den buddhistischen Weisen, Bodhisattva genannt, so:

"Das Volk des Fernen Ostens weiß von Geheimnissen zu sprechen, die um das Leben des Bodhisattva kreisen. Er kennt das Verborgene und schaut mit Augen, in denen das furchtbare Alleswissen dämmert, in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es gibt kein Glück, dessen Vergänglichkeit er nicht schon im Anbeginn erschaute, keinen Schmerz, dessen Nichtigkeit er nicht vorausgesagt. Und weil er alles kennt, kann er vieles heilen, vieles verzeihen, vieles wandeln."



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