aus meinem Archiv
A) Gereimtes für das Kabarett (Brettl)
Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens.
(Wilhelm Raabe)
Humor ist die Erkenntnis der Anomalien
(Friedrich Hebbel)
Um ernst zu sein, genügt Dummheit.
(William Shakespeare)Es muss Ende der 50er oder Anfang der 60er Jahre in München gewesen sein, die Bundesrepublik war wiederbewaffnet, das Wirtschaftswunder und der Amerikanismus trieben ungeahnte Blüten, Parteien versprachen das Blaue vom Himmel und der Geist der Restauration regte sich allerorten, als ich meine zeitkritischen Kabarett-Texte schrieb. In München hatte Therese Angeloff das Kabarett "Die kleinen Fische" gegründet, das ebenfalls gegen den Zeitgeist rebellierte. Frau Angeloff hatte mich zu sich nach Bogenhausen eingeladen und zeigte durchaus Interesse an einigen meiner Texten, vor allem an dem Ensemble-Lied "Wir sind dagegen, weil wir dafür sind". Aber ihr Programm stand schon fest. Da half eben nur, selbst ein Programm auf die Beine zu stellen. Mit befreundeten Künstlern gründeten wir eine kleine Brettl-Truppe und traten in München einige Monate lang wöchentlich einmal als "Mittwoch-Brettl", im Traditionslokal "Alter Simpl" in der Türkenstraße im Univiertel auf, in der zuvor u.a. schon Ringelnatz gastiert hatte, das zu dieser Zeit aus rechtlichen Gründen "Bunter Hund" hieß. An die Namen der Damen kann ich mich leider nicht mehr erinnern (Uschi, Ursula?). Die Herren waren u.a. Harald von Koeppelle, der Münchner "Verselbaron", der später in einigen Folgen der Kultserie "Kottan ermittelt" den Dezernatsleiter Pichl spielte, bevor er von Kurt Weinzierl abgelöst wurde, und Paul Glawion, der zuvor in Wien im Musical "My Fair Lady" den Higgins gespielt hatte. Bekannt wie ein bunter Hund wurden wir allerdings nicht und so verlief sich alles wieder. Weil ich mich auch an Hanns Dieter Hüsch gewandt hatte, lud er mich nach Mainz in sein Unterhaus ein, wo ich ihn von einer Tagung in Wiesbaden aus besuchte, und wir hatten dort ein nettes Gespräch. Das war's dann aber auch schon.
Da ich denke, dass meine Texte so schlecht nicht sind, wenn auch sicher zu wenig professionell, will ich hier, neben den Auszügen aus den anderen drei Sammlungen (von Oma Hulda, Onkel Arnold und Fräulen Fischer), auch aus meiner eigenen Sammlung "Kabarette mich wer kann" (am besten gleich, nicht irgendwann) die wichtigsten gereimten Stücke wiedergeben, zumal viele Themen leider uns ja geblieben sind. Wie immer will ja politisch-literarisches Kabarett zum Nachdenken anregen und aufrütteln - am liebsten Befreiung durch Lachen - und ich hoffe, dass einige Texte das heute noch können. Ansonsten bitte ich um Nachsicht.
Texte
WIR SIND DAGEGEN…
LEBENSLAUF HEUTZUTAGE
DER WANDERPREDIGER
Zwischenbemerkung
WAS UNS WURMT
FRAGEBOGEN FÜR GANOVEN
DAS HERZ WEISS ES BESSER
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WIR SIND DAGEGEN…
(vom Ensemble zu singen)
Wir sind dagegen, daß wir dagegen sind, daß die Atombomben ein Segen sind, daß Paragraphen auf allen Wegen sind und Mitläufer uns überlegen sind!
Wir sind dafür,
Wir sind dagegen, |
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LEBENSLAUF HEUTZUTAGE
(Vortrag für 1 oder 3 Personen)
1. Person
2. Person
3. Person
alle |
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DER WANDERPREDIGER
(Vortrag für eine oder mehrere Personen)
Trara! Trara!
Chorgesang nimmt seinen Lauf,
Dann greift er sich das Mikrofon
"Die Götzen werden einst zerschmettert",
Das Auditorium ist erschüttert, und ruft den Sündern was zu tun zum Vorteil für sie nötig ist. "Zum Beispiel", sagt er, "trinkt ein Christ nicht Whisky oder Rebensaft - ein Coca Cola Segen schafft."
Und er erzählt der dumpfen Menge,
Kaum sprach er so vom Himmelsaktienkauf,
Derweilen Mädchenchöre singen
Er kann sich kaum der Tränen wehren
Während man wird eingetragen, |
(nach dieser Linie in allen Archivbeiträgen beginnt der 2. Teil des Beitrags, der ein Monat später ins Netz gestellt wurde)
Humor ist einfach eine komische Art, ernst zu sein.
(Peter Ustinov)Nach der Definition eines Theaterpädagogen würde es sich beim Kabarett um Antitheater handeln, ebenso wie bei Karnevals-/Faschingsveranstaltungen aller Art. Antitheater ist dadurch gekennzeichnet, dass es anarchisch, spontan, selbstorganisiert, kritisch und daher nicht staatstragend ist, weshalb es auch keine öffentlichen Gelder erhält, obwohl ich das Kabarett im Sinne Schillers durchaus als moralische Anstalt verstehe - das Gewissen mahnend. So denke ich, dass die hier wiedergegebenen Texte in ihrem Charakter durchaus zu den übrigen Texten dieser Homepage passen, die ja vielfach ebenso kritisch mit herrschenden Auffassungen umgehen. Und so habe ich daher auch keine Scheu, in den nächsten Monaten ebenfalls noch Beiträge von mir für die Faschingszeitung "Münchner Mucker" aus Anfang der sechziger Jahre zu veröffentlichen. Da wird dann manchmal auch richtig geblödelt. Machen Sie sich auf was gefasst.
Doch zunächst drei weitere Texte fürs Brettl
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FRAGEBOGEN FÜR GANOVEN (Vortrag für eine oder mehrere Personen)
(Sparvereine waren Selbsthilfegruppen kleiner Ganoven, besonders im Berliner Raum, aber auch Vorwand, um sich zu treffen und zu vereinbaren)
(Vermerk von fremder Hand: "Mittwoch-Brettl Februar")
ein Sprecher, Berliner Mundart
Also: Hamse schon mal een Ding jedreht? - Ja?
Vakooftense Schlechtes for jutes Jeld? - Ja?
Sajense "Verräter" zur Opposition? - Ja?
Doch he! Sie janz jroßer da zuletzt! |
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DAS HERZ WEISS ES BESSER (Sprecherin/Sängerin)
gesprochen oder besser: gesungen
Gesang ©HILLE 2009 |
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