Ein Jahrhundert Poesie und Prosa der Familien Hille und Oexl

Fortsetzung der Familien-Anthologie

Weitere Gedichte und eine Danksagung


V i e c h e r e i e n

von Arnold Hille

Der Kater

Der Kater kann, man soll's kaum glauben
dem Mensch' die letzte Grütze rauben
(Nachdem den Hauptteil schon bekommen
Die Katze, die wir uns genommen).
Und die Moral von der Geschicht:
Der Kater, der bekommt dir nicht!
 

Der Affe

Der Affe ist mit Abstand hier
Das vielgenannteste Fabeltier,
Man sieht ihn gern im Tierpark an
Im Mund führt ihn oft Frau und Mann.
Der schönste Affe aber bleibt,
Der, der uns beim Trunk die Zeit vertreibt.

Das Mistviech

Allein im schönen Bayernland
Ist dieses Urtier allbekannt:
Man findet es in allen Schichten,
Besonders aber vor Gerichten,
Im Wirtshaus, im Familienkreis
Wo jeder was vom Mistviech weiß.

Das Urviech

Die Species ist besonderer Art,
Die noch der Analyse harrt:
Akustisch gut, froh, unbeschwert,
Das manches tut, was viele stört,
Oft mißgeraten von Gestalt -
Zum Lachen reizt - ein Urviech halt!

Die Kuh

Wenn eine Frau stört unsre Ruh',
Nennt man sie oftmals "alte Kuh",
Doch wenn die "Kuh" zu schönen Stunden
Sich heimlich bei uns eingefunden
Wird sie zum Traualtar geführt
Vom Ochsen, dem es so gebührt.

Die Sau

Man hört, sehr oft, daß Mann und Frau
Sich titulieren: "alte Sau"
Wobei Geschlecht und Alter gleich
Der so versetzt in Tieresreich.
Am Ende aber fressen beide
Die Sau im Sonntags-Mittagskleide!

 
  

Der Hund

So mancher kam schon auf den Hund,
Teils wegen Pech, teils ohne Grund.
Da solch ein "Hund" zu nichts ist nütze,
Geb' ich ihm nächstens eine Spritze.
Doch zäh ist solch ein Hundeleben -
Was soll ich ihm für 'ne Spritze geben?
(Ist doch klar: am besten eine Geldspritze)

weitere Gedichte von Arnold Hille


Teerosen

Es sind ganz zarte Rosen,
die ich schenke;
so blaß und müde
wie mein Angesicht,
das tief zerquält ist,
weil ich an Dich denke -
so lange,
bis das wunde Herz zerbricht.

Ein feiner Duft
strömt aus der zarten Hülle,
ein stilles, brünstiges Gebet,
das wie der Atem
aus der Sehnsucht Fülle
in Deiner Seele
sanft verweht.

Lied an die Freude

Aus dem Operetten-Libretto
 "Zwischen Stadt und Land"

Freude ist ein Sichversenken
In des Menschen gute Triebe
Ist ein ewiges Verschenken
An die Allgewalt der Liebe.

Freude quillt aus heißem Wollen
und der Macht der starken Taten:
Kann nie einem übervollen
Frohem Herzen sich entraten.

Freude ist der Feierstunden
Schöpferische Lebensweihe,
Ist ein inneres Gesunden
Und ein gütiges Verzeihe!


Deine Augen

Deines Lebens Jahre sind viel.
Doch Deine Augen sind flammendes Licht,
Sind farbenfunkelndes Götterspiel
in dem sich dein glühendes Herze bricht.

Deine Augen sind tief und sonnenreich,
Sind so klar wie der glitzernde Schnee.
Nur manchmal blicken sie frauenweich.
Beklagen ein bitteres Weh.

Doch bin ich dann wieder auf deiner Au -
Deine Augen sind sprühende Glut,
Sind köstlich erfrischender Morgentau,
In dem deine Seele ruht.

11.7.22

Letzte Aufnahme von Onkel Arnold; Tante Anni

Segnung

Ein Leben, reich an Mühsal und an Freuden,
Ein Leben, reich an Arbeit und an Glück,
Und nun ein Wandern durch das Tal der Leiden:
Vom harten Weg des Daseins nur ein Stück.

Ein solches Leben ist nur ein Verweilen.
Oft nur ein Rasten in der steten Flucht
Und führt zuletzt doch zu der hehren, steilen,
Dem Daseinskampf entrückten stillen Bucht.

In solches Leben bist du sanft gekommen:
Nicht Worte machend, aber froh und licht,
Und hast mein Herz in deine Hand genommen,
Aus der das Wunder deiner Frauheit bricht.

9.1.38


Grab im Münchner Westfriedhof


           Allerseelen

Ihr Teuren alle die dahingeschieden
Und die ihr uns vorangegangen seid
In jene Stätte, wo ein ew'ger Frieden
Uns allen winkt - im Land der Seligkeit;
Wir legen trauernd unsre Kränze wieder,
Von Blumen, welche die Natur noch beut,
Zur ernsten Feier dieses Tages nieder,
Der den verklärten Seligen geweiht.

Uns allen ist ein gleiches Los beschieden,
Auch uns winkt einst des Grabes stille Ruh',
Dann führt uns nach dem Erdenkampf hienieden,
Der Todesengel  j e n e r  Heimat zu,
Dort, wo noch eine wahre Ruh' vorhanden,
Wo über Sternen winkt die Ewigkeit;
O selig dann, die in dem Herrn vollenden,
Denn unser Glaube lehrt Unsterblichkeit.

     G o l d b e r g,  im November 1903

                  H. Hanisch.


Mein 70. Geburtstag
am 22. Juli 1998

war mir Anlaß, um mir einmal Rechenschaft über das schriftstellerische Potential der Familie abzulegen. Und ich bin sehr froh, dies nunmehr getan zu haben.

Danksagung

Allen Teilnehmern der fröhlichen Geburtstagsfeier zu meinem 70. und allen Gratulanten ganz herzlichen Dank für ihre Glückwünsche und Geschenke.

Ich denke, der Jubilar darf hier, im Namen aller Gäste, den Wirtsleuten - der Familie Enzenbach und ihren flinken und freundlichen Helfern - für den gelungenen Abend einen speziellen Dank aussprechen und den Gasthof Birkenhof (Aschheim b. München) guten Gewissens weiterempfehlen. Neben Rosis hervorragender Küche ist noch der Wig eigens zu loben für das von ihm mit viel Einsatz vorgetragene humoristische Gedicht, das dem Geburtstagskind anschließend in einem wunderschönen Druck (siehe unten) ausgehändigt wurde. Da bei den Lesern dieser Anthologie von einem Interesse an Gedichten ausgegangen werden darf, möchte ich ihnen Wigs Verse der etwas anderen Art, mit denen der Autor ganz unvermutet selbst zum Gegenstand eines Gedichtes wurde, nicht vorenthalten. Der unvergessene Heinz Erhardt würde sagen: "noch'n Gedicht". Zum Verständnis der Verse muß erwähnt werden, daß der überreichte Blumenstrauß mit vielen farbigen Bonbons geschmückt war und zum Schluß eine Flasche Sekt übergeben wurde.

Liebes Geburtstagskind

70 Jahre bist Du nun auf dieser Welt,
dazu wünschen wir Glück, Gesundheit und auch Geld
und wie an solchen Tagen Brauch,
kommt man dann mit Geschenken auch.
Wir haben uns was ausgedacht
und heute für Dich mitgebracht.
Du bist jetzt 70 Jahr' auf Erden,
da gibt es auch schon mal Beschwerden.
Dieser Strauß, sieh' ihn Dir an,
der ist von Frau Dr. Antje Kühnemann.
Die Pillen hier, die so schön blau,
die sind für's Hirn, das macht Dich schlau.
Tut Dir einmal der Magen weh,
dann nimm die gelben in den Tee.
Hast Du Winde in den Därmen,
mußt Du Dich an den braunen wärmen.
Dann gibt's gewöhnlich einen Knall
und erledigt ist der Fall.
Streikt vielleicht einmal die Blase,
dann gehe hin zu dieser Vase.
Nimm von den rosa Pille zwei
und das Leiden ist vorbei.
Stimmt es mit Deinem Blutdruck nicht,
bist du mal weiß, mal rot im Gesicht,
lieber Helmut merke Dir,
die roten Pille sind dafür.
Ist Dein Stuhlgang etwas dünn und brauchst Du Tropfen,
dann nimm die grünen, denn die stopfen.
Schönheitspillen aller Sorten,
brauchst Du nun nicht mehr zu horten.
Hervorzuheben an den Pille wär' das eine,
Nebenwirkungen gibt es keine.
Noch einen guten Rat, den geb' ich Dir,
nicht von Frau Doktor, nein von mir:
Sollten die Pillen nichts mehr nützen,
kann nur dies Fläschchen Dich noch schützen.

Es wünscht Dir Glück die ganze Schar
für die nächsten 70 Jahr!


der Autor, Schwägerin Martha, Neffe Gerhard mit Freundin, im Vordergrund Kopf von Schwager Rudolf
Foto: Helga Krüger
Wig beim Lesen seines Gedichts

Auch wenn ich mir selbst keine "nächsten 70 Jahre" wünsche - irgendwann muß "a Ruh' sein", die ja, nach Oma Hulda und Onkel Arnold, unser aller Ziel ist, "im Land der Seligkeit", "über den Sternen", in einer "dem Daseinskampf entrückten stillen Bucht" (nix genaues weiß man nicht) -, nochmals dem Wig und allen anderen meinen herzlichsten Dank für den schönen Abend! Da wir nie mehr so "jung" zusammenkommen werden - wenn mit mir überhaupt noch einmal bei einer solchen Gelegenheit -, hoffe ich, daß ein Farbausdruck dieser Anthologie eine willkommene Form des Dankes und der Erinnerung ist - nicht zuletzt an die in dieser Sammlung zitierten oder genannten lieben Verstorbenen, die vielen Anwesenden einmal Teil ihres Lebens waren. Doch sollten wir uns nicht dem Schmerz ihres Todes hingeben sondern froh und dankbar sein, daß sie gelebt haben.

München, August/September 1998

Helmut Hille

im Namen der Familien Hille und Oexl

©HILLE 1998  Alle Rechte vorbehalten!


Abgesehen von den Gedichten meines Schwagers Rudolf Oexl und dem obigen überraschenden Gedicht zu meinem 70. Geburtstag sind Gedichte anderer Autoren in WEGE DES DENKENS in Form von mir übergebenen bis dahin unbekannten Sammlungen auf mich gekommen. Sie hierzu auch "meine Personalakte" (L13) - (L16). Ich habe sie nicht gesucht - sie haben mich gefunden, so wie das mit mir wichtigen Gedanken anderer Verfasser oft ebenso ergeht, vergleichbar den auf dem Unbewussten von selbst aufsteigenden Ideen und Lösungen zu Problemen, die mich beschäftigen. Nachdem es nun die wunderbare Einrichtung des Internets gibt, die auch ich nutze, fühle ich mich verpflichtet, diesen nicht zufällig aus der Familie bzw. ihrem Umfeld auf mich überkommenen Sammlungen Raum zu geben und sie und ihre besten Inhalte bekannt zu machen. Außerdem habe ich Ausdrucke der Familien-Anthologie binden lassen und sie Familienangehörigen zur Freude, Bewahrung oder zur Weiterreichung übergeben. Biografische Angaben gelten für den Zeitpunkt der Veröffentlichung und werden nicht aktualisiert-


-  E N D E  der Familien-Anthologie  -
die zur Keimzelle der Sammlung "Literarisches" wurde

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